SPUTNIK Radiokonzert | 18.11.2010
Wir sind Helden unplugged im Videostream!
18.11.2010
Drei Jahre waren Wir sind Helden quasi verschwunden, im kurzlebigen Popgeschäft eine kleine Ewigkeit. Für viele Bands wäre eine solche Pause der sichere Tod und das Ende des Plattenvertrages. Doch bei den Helden, das wird an diesem Abend klar, ist vieles ein bißchen anders als bei den Popbands, die man sonst so kennt.
Fotostrecke: So wars mit den Helden
Ganz anders und trotzdem passend: Hundreds
Das Hamburger Geschwisterpaar eröffnet und mag auf den ersten Blick so gar nicht zum akustisch-bodenständigen Zuhause-Gefühl des Abends passen. Doch der Eindruck täuscht: Bei aller elektronischer Kühle der Songs sorgen Evas warme Stimme, analoge Synth-Sounds und Philipps perlende Piano-Akkorde für einen Gegensatz, der erst in die Beine fährt und dann die Wirbelsäule aufwärts für Gänsehaut sorgt. Der Elektro-Stempel wird Hundreds nicht wirklich gerecht, hier schreiben zwei Musikverliebte schlicht hervorragende Songs und benutzen die Elektronik für ihre Zwecke, wenn sie sich anbietet.
Popsternchen - war da mal was?
Um 21 Uhr dann Zeit für die Helden! In den Charts herrscht seit dem Erfolg ihrer ersten Helden-Hits kein Mangel an Frontfrauen mehr. Manche sind sexy, andere sind niedlich, wieder andere ein bißchen ordinär. Judith Holofernes spielt heute manchmal mit einigem davon, doch zuallererst ist die Oberheldin inzwischen eine erwachsene Frau, Mutter und Künstlerin, die als Blaupause fürs Klonen von Popsternchen endgültig nicht mehr taugt.
Älter werden, Batiksachen ...
Dass sich durch die Kinder ihr Blickwinkel aufs Leben ein wenig verschoben hat, spürt man in den neuen Stücken, die sich - verkleidet als Popsongs - als kleine Kunstwerke zum Thema Leben, seinen Platz finden und suchen, älter werden entpuppen, oder um es mit der Single "Alles" zu sagen: "...vom Schreien und sich häuten, vom Wollen und nicht kriegen, von Kriegen und Frieden, von niemals zufrieden sein."
Diese Texte, gespickt mit schrägen Bildern und kleinen Gemeinheiten ("Dann zog Brigitte nach Ibiza und verkaufte Batik- Sachen ...") würden auch als Lesung funktionieren, der Unplugged-Sound mit Banjo, Akkordeon und Ukulele tut heute sein Übriges, um den intimeren Ansatz noch zu verstärken. Echte Helden wollen die Helden immer noch nicht sein, aber irgendwas in Richtung große Geschwister trifft es ganz gut.
Für einen Abend zuhause
Das Publikum im restlos vollen Projekt 7 nimmt dankbar an. Die Fans (die die Unplugged-Versionen schon von der Bonus-CD des aktuellen Albums kennen dürften) feiern den Tourabschluss der Band, singen die überwiegend neuen Songs mit glänzenden Augen mit. Judith ist hingerissen: "Es ist sehr schön bei euch, ihr Sputnixen und Sputnixer ...!" Selten klang so ein Satz weniger nach Bühnenroutine.
Am Ende gibts natürlich die Hits wie "Aurelie", "Denkmal" (im interaktiven Judith feat. Publikum-Reggae-Remix) und "Nur ein Wort", und im Projekt 7 macht sich noch ein wenig mehr Partystimmung breit. Dann, nach knapp 90 Minuten, gehen endgültig die Discokugeln aus und die Lichter an, und die Band lässt das Publikum zufrieden mit sich selbst zurück. Ab auf die Dancefloors in den Keller, DJ Branko Jet, übernehmen Sie!


































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