Stadtmensch auf Solopfaden: Peter Fox im SPUTNIK-Interview
30.06.2008
Keine Angst! Bei Seeed ist alles im grünen Bereich. Die Band existiert weiter, doch nach Demba Nabé Boundszound veröffentlicht im Oktober nun auch Peter Fox ein Soloalbum - auf deutsch, ohne Samples und mit großem Orchester eingespielt. Ende Juni stellte der Berliner in seiner Heimatstadt die ersten Songs von "Stadtaffe" vor. Anschließend war Zeit für einige Fragen.
Du hast vorhin davon gesprochen, dass dein Album ein „Filmsoundtrack zum Tanzen“ sein soll. Erst hab ich mich gewundert, aber nachdem ich einige Songs gehört habe, scheint es durchaus Sinn zu machen. Welcher Film soll denn beim Hörer ablaufen?
Das mit der Filmmusik zum Dancen meint eher die Soundwelt und die Musik. Das war im Prinzip das Schlagwort, das ich im Kopf hatte. Ich wollte keine Synthies, Orchester war die Ansage und das ist ungefähr das komplette Gegenteil für mich. E-Gitarren standen auch nicht zur Debatte. Da steh ich nicht so drauf, ist mir zu verbraucht. Dann habe ich überlegt, was es noch gibt und kam zum Orchester. Aber die Beats sollten schon tanzbar sein, es sollte nicht ökomäßig oder nach Philly klingen. Zwar mit Orchester, aber nicht zu akustisch, nicht zu Oldschool vom Sound her. Deswegen also Filmmusik zum Tanzen. Dass jetzt teilweise auch die Texte filmische Stories erzählen, kommt noch dazu - nicht alle, aber einige. Das hatte mit der Idee vom Anfang aber nichts zu tun. anhören»
Zwischen den Songs gibt es viele Soundlandschaften, die zum Filmhaften des Albums nochmal beitragen. Nach dem einmaligen Hören würde ich sagen, dass es sich um Großstadtgeräusche handelt. Einige der Songs sind auch klar in Berlin verortet. Ist es also ein Stadtalbum geworden?
Klar, in einigen Songs schon. Es gibt z.B. „Schwarz Zu Blau“, da geht es sehr konkret um das Leben in Berlin und vor allem um die Seite, die einen eher so ankotzt – also die hässliche, dreckige, graue Seite. Der ganze Ranz, der hier so ist. Es hat also schon viel damit zu tun, wie man sich als Stadtmensch so fühlt und was so abgeht. Aber ich glaube, das könnte jemand, der in Hamburg, Frankfurt oder von mir aus auch in Paris oder Madrid lebt, genauso empfinden. Es sind schon ziemlich universelle Gefühle, die man als Stadtmensch im Jahr 2008 hat. anhören»
Wie kam es zu dem Soloalbum? Du hattest ja am Anfang nicht geplant, selbst zu singen.
Zuerst wollte ich nur die Musik machen, diesen speziellen Sound. Ich hatte eigentlich Bock, einen anderen Sänger singen zu lassen und selbst einfach nur zu produzieren. Aber ich wollte nicht irgendeinen Sänger nehmen, es musste schon jemand sein, der richtig geil ist und in allen Belangen überzeugt. Und das ist halt gar nicht so einfach zu finden. (lacht) Zu der Zeit hatte ich auch gar keinen Bock, selbst solomäßig abzugehen und vor allem auch nicht die Texte für ein ganzes Album zu schreiben. Zum damaligen Zeitpunkt war ich da eher ein bisschen müde. Aber die Lust kam dann mit der Zeit zurück und ich dachte: OK, ein komplett deutschsprachiges Album mit diesen Beats zu machen ist auch eine Herausforderung und könnte die Musik hierzulande vielleicht auch ein bisschen weiterbringen. Und dann hab ich angefangen, Texte zu machen und fand die auch cool. Dann hab ich mich mit meinem Kumpel Daffy zusammengetan, der schon etwas mitproduziert hatte. Es war zwar trotzdem tierisch viel Arbeit mit den Texten, hat dann aber doch soviel Spaß gemacht, dass ich am Ende gesagt habe: OK, da kann man eine ganze Platte mit füllen und die dann auch abfeiern. anhören»
Wie haben die Orchestermusiker reagiert? Wussten die, worum es geht?
Nee! Das wissen sie bis heute nicht! (lacht) Wenn das Album fertig ist, werde ich ihnen natürlich eins schicken. Aber die haben nur ihre Noten gespielt, zu den Beats, die es teilweise schon gab. Aber was am Ende daraus wird, konnten sie sich wahrscheinlich noch nicht so richtig vorstellen. Das hängt auch damit zusammen, dass wir natürlich anders aufnehmen als wenn sie jetzt ein Orchesterwerk spielen würden. Das sind schon immer kürzere Teile gewesen, die sie eingespielt haben. Mal eine halbe Minute, mal nur zehn Sekunden und mal vielleicht auch eine ganze Minute. Das haben wir dann zerschnitten und noch weiter arrangiert. Teilweise haben wir auch nur mit bestimmten Spuren gearbeitet – von den Bässen oder den Celli. Der Rest wurde dann so gut es geht ausgeblendet, was beim Orchester aber nie komplett möglich ist. Denn du hast nun mal einen Klangkörper auf einem Mikro. Irgendwie ist immer alles mit drauf. Man kann es nicht so sauber bearbeiten wie im Studio, wo alles getrennt aufgenommen wird. anhören»
In deiner neuen Single „Alles Neu“ gibt es die Zeile „Ich bin die Abrissbirne für die deutsche Szene“. Warum gefällt sie dir momentan nicht?
Weil der Qualitätsstandard nicht hoch genug ist. Es gibt viele gute Musiker, aber irgendwie nicht genügend Geschmacks- und Qualitätskontrolle. (lacht) Die muss ja aus dem Land selber kommen, von den Leuten, die das machen. Und ich finde, die Leute sind zu schnell zufrieden was die Musik angeht. Und das find ich halt schade, weil die Platten aus Deutschland, die mich wirklich beeindrucken… Ich meine, es ist jetzt auch nicht so, dass jede Woche eine englische oder amerikanische Platte rauskommt, die ich total abfeiere. Aber ich finde schon, dass hierzulande mehr gehen könnte! anhören»
Heute gab es neun Stücke zu hören. Was passiert jetzt in den nächsten Monaten bei dir?
Die letzten drei fertig machen und mixen. Dann wird jetzt schon das erste Video gedreht. Da mache ich diesmal auch alles selber, regiemäßig. Da habe ich auf jeden Fall noch ganz schön viel zu tun in den nächsten Wochen und Monaten, bis die Platte fertig ist und rauskommt. anhören»
Wird es dann auch eine Solotour geben?
Ja, also nicht direkt solo. Ich werde mich nicht allein auf die Bühne stellen, aber eine Tour wird es geben. Ende November geht es los mit der Peter Fox-Tour. anhören»

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