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Nach der Wahl: Politik geht offline
27.10.2009
Die Vorlage kam von einem jungen gebürtigen Hawaiianer namens Barack Obama, der seinen Blackberry und diverse social communities zu seinen zentralen Wahlkampfwaffen gemacht und nicht zuletzt damit einen der beeindruckendsten Wahlerfolge der US-Geschichte eingefahren hatte.
Auch im deutschen Wahlkampf spielte im Sommer das Web 2.0 plötzlich scheinbar eine zentrale Rolle. Frank-Walter Steinmeier befeuerte Flickr mit Fotos, Jürgen Trittin samelte bei Facebook neue Freunde, Angela Merkel gruschelte bei StudiVZ. Die Strategie war klar: Junge Wähler sollten dort abgeholt werden, wo sie sich bevorzugt aufhalten: im Internet.
Die Stille nach dem (Miss-)Erfolg
Doch wer gehofft hatte, analog zum Wahlkampf würde nach der Wahl auch der Regierungsstil ein wenig interaktiver, sucht beinahe vergeblich nach Anzeichen dafür. Einen Monat nach dem Tigerenten-Erfolg ist von Web-Euphorie deutscher Spitzenpolitiker nicht mehr viel zu spüren. Die Flickr-Aktivitäten der SPD finden exakt am 27.09. ein jähes Ende. Jürgen Trittin ist laut Facebook immer noch auf Wahlkampftour und Hubertus Heils twitter-Account , vor der Wahl "the place to be" im Netz für alle, die auf der Suche nach kleinen Indiskretionen aus dem Wahlkampfapparat der SPD waren, verwaist zusehends. Angela Merkel hat bei StudiVZ mehr als 50000 Freunde, Dialog indes findet kaum statt.
Weniger Personal
Die Ursachen für den Einbruch der Netzaktivitäten sind klar: Jetzt, nachdem Sieg und Niederlage feststehen, werden die Ressourcen neu verteilt. Vor dem 27. September waren zum Beispiel bei der SPD neun Mitarbeiter und eine Agentur für Online-Aktivitäten abgestellt, geblieben sind davon drei.
Da ist mehr drin ...
Patrick Brauckmann ist Experte für Online-Wahlkampf. Seiner Ansicht nach machen die Parteien einen großen Fehler: "Das wirft auch das Bild auf: 'Vielen Dank, dass Sie uns gewählt haben, aber jetzt machen wir erst mal wieder Unseres.' Sie werden lernen müssen, dass zu einer vernünftigen PR-Arbeit auch eine Online-Redaktion mit mehr als zwei Mitarbeitern gehört."
Aus der dritten Reihe
Mit gutem Beispiel voran geht die FDP. Über twitter konnte man sich - wenn man denn wollte - in den letzen Tagen kontinuierlich über den Verlauf der Koalitionsverhandlungen informieren. Und auch in den anderen Parteien gibt es die eine oder andere Einzelleistung. So twitterte der Abgeordnete Sven Kindler von den Grünen heute Mittag aus dem Bundestag: "Sehr nett, sitze mit Claudia und Ströbi in der dritten Reihe!"






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