SPUTNIK Popkult
Die Pestmauer von Halle (Saale)
29.10.2009
Jede Stadt hat ihre Geheimnisse und Legenden. Nicht immer haben diese mit Heldentaten zu tun. Manchmal sind sie einfach nur gruselig und Gott sei Dank schon Ewigkeiten her. So auch die Legende um die Pestmauer von Halle ...
Wer die Pest hatte, war verloren ...
Halle erlebte mehrere Pestepidemien. Eine jedoch blieb den Bewohnern durch eine schaurige Geschichte besonders in Erinnerung. 1350 wurde die Stadt von der Seuche heimgesucht. Um die Gesunden vor den Kranken zu schützen, teilte man die Stadt in zwei Teile. Der heutige Graseweg, eine kleine Gasse im Norden der Hallenser Alltadt, gehörte zu dem Teil, in dem die Kranken lebten.
Um zu verhindern, dass diese ihren Teil der Stadt verlassen, wurde eine Mauer errichtet, die die Gasse zu beiden Seiten abriegelte. Auch wurden Fenster und Türen der anliegenden Häuser vernagelt. Die Menschen dahinter verhungerten bzw. starben qualvoll an den Folgen der Pest. Fand man im Stadtteil der Gesunden einen Bürger, der die Zeichen der Pest trug, wurde er kurzerhand über die mannshohe Mauer zu den Todgeweihten geworfen.
Fotostrecke: Graseweg in Halle
Wie der Graseweg zu seinem Namen kam ...
Die kleine, enge Gasse wurde zum Grab für unzählige Menschen. Erst zehn Jahre später, also im Jahr 1360, so wird vermutet, trauten sich die Überlebenden, die Mauer abzureißen und die Gasse zu öffnen. Vorher fehlte ihnen der Mut, Quarantänezeiten kannten sie nicht. Was sie vorfanden, muss schaurig gewesen sein. Das Gras stand meterhoch, dazwischen blitzten die weißen, blanken Knochen der Verstorbenen. Von da an, so glauben die Hallenser, wurde die Gasse nur noch Graseweg genannt.
Es gibt allerdings noch eine weitere, wenn auch nicht so schaurige Erklärung für den Namen. Die Gasse lag am Grashof, einer der ältesten Verschanzungen der Stadt. Dieser Grashof existiert heute nicht mehr. An gleicher Stelle findet man allerdings sehr alte und sehr sanierungsbedürftige Fachwerkbauten aus dem 16. Jahrhundert.
Henker Brandt und Konsorten ...
Bei nächtlichen Führungen durch die Stadt Halle lässt der kleine, bärtige Michael Rauchfuß gern die Stimme unerwartet anschwillen, dazu rollt er theatralisch das "R" und droht mit seinem ziemlich großen Beil. Er kennt die blutigsten Geschichten dieser Stadt, den Graseweg hat er schon unzählige Male besucht, meistens in der Rolle des Henkers Klaus Brandt. Der Schauspieler hat sich dem Mittelalter verschrieben, das Blut gefrieren lassen ist eine seiner Spezialitäten!
Wer den Henker Brandt und seine Kollegen mal selbst erleben möchte, sollte sich an StattReisen Halle halten. Die veranstalten u.a. nächtliche Fackelumzüge mit bedeutsamen Themen, wie "Henker, Hexen, Trunkenbolde".













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