Der Bandname „The Tarantists“ leitet sich von „Tarantist“ ab. Mediziner beschreiben damit ein Phänomen, wonach Menschen, die von einer Tarantel gebissen worden sind, einen unkontrollierbaren Antrieb zum Tanzen verspüren. Eine gute Metapher für die Bühnenshow der vier jungen Musiker Arsalan, Arash, Bahman und Resan.
Wir finden sie im zwölf Quadratmeter großen Keller eines Mehrfamilienhauses im Norden Teherans. Die Wände sind zum Schallschutz mit Styropor und Eierpackungen verkleidet, auf dem Boden liegen abgewetzte Teppiche. Doch die Musikanlage, die normalerweise in schweren Truhen verstaut ist, entspricht internationalem Standard.
Gegründet hat sich die Band vor fünf Jahren, erzählt Arsah: „Natürlich haben wir auch Schwierigkeiten. Aber meiner Meinung nach haben diese Schwierigkeiten damit zu tun, dass die Leute uninformiert sind. Es gibt ja keine Medien oder Organisationen, die unsere Musik vorstellen und präsentieren. Deswegen ist Heavy Metal auch nicht populär. Es gibt zwar eine Minderheit, die uns gerne zuhört, die Mehrheit aber weiß gar nicht, was wir machen. Wenn es im Iran Medien gäbe, die unsere Musik erklären, dann wäre für uns vieles einfacher.“
Und so haben sich die Studenten den Auftrag erteilt, dem Heavy Metal Rock auch im Iran eine Bleibe zu verschaffen. Das heißt vor allem, gegen Vorurteile zu kämpfen. „Manche Leute glauben, dass Heavy Metal harte Musik ist, die nur von harten Leuten gespielt werden kann. Aber das stimmt nicht. Wir machen eine ganz sensible Musik. Und wir brauchen diese Musik, damit wir unsere Gefühle ausdrücken können“, sagt Arash.
Musikalisch gesehen ist der Iran ein schwieriges Pflaster. Offiziell gibt es keine Behörde, die Bandauftritte erlauben oder verbieten könnte. Konzerte geben „The Tarantists“ deshalb in einem privaten Keller, in dem sich manchmal bis zu hundert Zuhörer drängeln. Zu den großen Zielen der Musiker gehört, einmal ein Konzert in Deutschland zu geben. Der letzte Auftritt in einem europäischen Land liegt noch gar nicht lange zurück: Ende Oktober begeisterte die Band ihre Fans beim Live-Death-Festival in Amsterdam mit einer theatralischen Bühnenshow.
Was Auftritte im eigenen Land angeht, so geben sich Arsalan, Arash, Bahman, Resan zurückhaltend - was die generelle Zukunft des Heavy Metal im Iran betrifft, sind sie hingegen ausgesprochen optimistisch: „Es interessieren sich hier mehr Leute für Heavy Metal als in anderen Ländern. Und es werden immer mehr.“
