Feiernde Menschen im Club Pontoon in Phnom Penh
Bildrechte: Pontoon Phnom Penh

SPUTNIK Clubperlen | Jeden vierten Mittwoch im Monat | 22 Uhr SPUTNIK Clubperlen. Mehr Techno. Mehr House.

Die Clubperlen sind in der Welt unterwegs, um Techno & House zu finden. In Kambodscha, einem der ärmsten Länder Südostasiens, gestaltete sich die Suche nach der Szene besonders schwierig. Ob Moderatorin Kathi trotzdem fündig geworden ist, hört ihr in dieser Folge Clubperlen.

Feiernde Menschen im Club Pontoon in Phnom Penh
Bildrechte: Pontoon Phnom Penh

“Hello TukTuk!” ruft es von überall her auf den Straßen der kambodschanischen Städte. Männer stehen vor ihren Motorrikschas und laden Touristen dazu ein, für einige Dollar mitzufahren. Auf den Bürgersteigen sitzen traditionelle Bands, die Khmer-Musik auf Bambus-Xylophon, Flöte und verschiedenen Trommeln spielen. Hätte nicht jeder Kambodschaner ein Smartphone, könnte man meinen, in Kambodscha ist die Zeit seit 25 Jahren stehen geblieben.

Nachts zeigt die Hauptstadt ihre wilde Seite.

In der Hauptstadt Phnom Penh gibt es einige berühmt berüchtigte Nachtclubs, in denen hauptsächlich kambodschanischer EDM und amerikanische Popmusik läuft. Viele männliche, weiße Touristen feiern hier mit sehr jungen Asiatinnen. Auf den ersten Blick ist das Nachtleben von Sextourismus und Plastikpop geprägt. Das feiernde Publikum ist eine spannende Mischung aus Backpackern, Einwanderern, jungen Mädchen, älteren Touristen und einigen wohlhabenden Kambodschanern, die sich die verhältnismäßig teuren Eintrittspreise leisten können.

Die Feiermeute trifft sich am liebsten im Pontoon. Auf dem Mainfloor des Nachtclubs läuft meistens EDM und Hip Hop. Wer House und Techno mag, kann in die dazugehörige Bar Pontoon Pulse gehen. Unregelmäßig spielen dort internationale Acts und lokale DJs Deep House, House oder Techno.

Die Szene in Phnom Penh

Die House- und Techno-Szene in Kambodscha ist noch recht klein, aber sie wächst stetig. Wer Filme, Kunst und Musik liebt, findet im Meta House in Phnom Penh, was er sucht. Hier finden Kunstausstellungen, Filmvorführungen, Workshops und Partys statt.

Mehrmals monatlich legen lokale DJs elektronische Musik auf. Kambodschas einziges unabhängiges Kulturzentrum wurde vor 10 Jahren von dem deutschen Journalisten Nicolaus Mesterharm gegründet. Nach 30 Jahren Bürgerkrieg im Land bietet er hier der lokalen (Kunst-) Szene einen Ort, um sich auszutauschen.

Martin: Von Thüringen ins Inselparadies

Die kambodschanische Szene besteht derzeit größtenteils aus Einwanderern und konzentriert sich hauptsächlich auf Phnom Penh. Allerdings gibt es im Süden in der Nähe der Hafenstadt Sihanoukville auch einige Partys, die sich locker mit den legendären Full Moon Partys in Thailand messen können. Zu Halloween hat Martin Warlich auf einer Party in der Jungle Bar auf der Insel Koh Rong Samloem gespielt. Der DJ ist ursprünglich aus Thüringen und lebt mittlerweile auf der Trauminsel. Wie er dort hin kam, erzählt er im Interview in dieser Folge Clubperlen. Außerdem hat er einige gute Tipps zum Feiern parat.

Eine traumatisierte junge Bevölkerung

Die Bevölkerung Kambodschas ist im Durchschnitt 25 Jahre alt. Die jüngere Geschichte und die Gegensätze zwischen Tradition und Moderne machen einen Besuch wundervoll und sehr traurig zugleich. Denn die letzten 50 Jahre sind durch Bürgerkriege geprägt und erst seit 1998 herrscht Frieden.

In den 70er Jahren kam fast ein Viertel der Bevölkerung durch die Schreckensherrschaft der Roten Khmer ums Leben. Die Bevölkerung und die Wirtschaft erholen sich nur langsam. Viele Menschen auf dem Land haben weder Zugang zu Trinkwasser, noch zur Müllabfuhr. Seit den Bürgerkriegen leben viele Kambodschaner im Ausland.

Kambodscha bleibt sein Zuhause

Der Produzent Lafidki ist in Frankreich aufgewachsen und hat schon in Berlin und London gelebt. Trotzdem ist Kambodscha sein Zuhause, wie er im Interview sagt. Er reist so oft wie möglich dorthin zurück. Während seiner letzten Reise entstand sein aktuelles Album ”Chinabot”, für das er einige asiatische Künstler gefeatured hat.

Denn Lafidkis Mission ist es, Künstler aus Asien sichtbarer zu machen. Oft fehlt es ihnen an Selbstvertrauen, Sprachkenntnissen oder den richtigen Kontakten, wie er im Interview erklärt. Um sie zu unterstützen und zu bestärken, gründete er das Netzwerk und Label “Chinabot”. Der neueste Release ist die Compilation “Phantom Force”, die einen Überblick über Künstler, sowie verschiedene elektronische Stile in Asien gibt. In dieser Folge Clubperlen hört ihr in Lafidkis Album und in die Compilation “Phantom Force” rein.

SPUTNIK Clubperlen vom 22.11.17
Interpret Titel
Ros Sereysothea Chnam Oun 16
Thunder Tillmann The Ridge To Catequil
Vitalic Poison Lips
Lovebirds In The Shadow
Rebolledo Discótico Pléxico (Maceo Plex Remix)
Sopheap Suon Cambodian Mystique House Music Vibes
Sonia Calico Butterfly Spy
Howie Lee Dizzy
Samin Son Pyjama Party Bonobo
Lafidki & Hun Sen Onsen
Lafidki Mount TV Poison
Tampuan Community Temple Song
Superpitcher Little Raver

Die Crew Phnom Penh Underground veranstaltet eigene Partys. Diese sind mehr oder weniger underground - je nachdem welche DJs gebucht wurden. Sie mieten sich entweder in Cubs ein oder spielen auf Straßenfesten. Außerdem gibt es auf der Webseite von Phnom Penh Underground die aktuellen Ausgehtipps für Kambodschas Hauptstadt.