SPUTNIK Clubperlen vom 26.09.2017: Rona Geffen

Sind wir die Wumms-Wumms-Spaßfraktion? Es geht um nicht enden wollende Nächte, um Exzess und um Musik. So scheint es zumindest von Außen. Aber die Technoszene zeigt trotz ihres gelebten Hedonismus Haltung. Man muss nur genauer hinschauen!

Schon während der ersten Raves in Berlin kämpften Engagierte für Gleichberechtigung, Freiheit und für mehr Räume für die sich neu entwickelnde Subkultur. Auf Unterstützung seitens der Städte brauchten die Macher auch damals schon nicht hoffen.

Engagement für die Subkultur

Doch das bekannteste Beispiel für politisches Engagement ist sicher die Loveparade. Dass sie später einmal eine Massenveranstaltung ohne echten politischen Hintergrund wird, das hat Gründer Dr. Motte nicht gewollt. Selbst sein Slogan “Friede Freude Eierkuchen” stand nicht nur für Spaß, sondern für Abrüstung, für eine bessere Verständigung unter den Menschen und gegen den Welthunger.

Dr. Motte hatte bereits als Jugendlicher gegen den Vietnamkrieg demonstriert und wollte mit der Demonstration ein friedliches Zeichen gegen Krieg setzen. Als die Loveparade zur Massenparty wurde, distanzierte er sich davon. Bis heute engagiert der 57-Jährige politisch, zum Beispiel gegen die Gentrifizierung in Berlin, denn “die töte die Subkultur”, wie Dr. Motte in einem Interview erklärt.

Engagement für mehr Freiraum

Dass die Subkultur immer noch wenig Unterstützung seitens der Städte erfährt, zeigt die aktuelle Lage vom Institut für Zukunft in Leipzig. Obwohl es in der sächsischen Metropole durch den Leerstand scheinbar viel Platz gibt und die Stadt gerne mit ihrem Nachtleben wirbt, kämpft der Club derzeit gegen eine auferlegte Sperrstunde zwischen 5 und 6 Uhr.

Die Begründung: Es gab Beschwerden von Anwohnern. Und das, obwohl sich in der Gegend noch weitere Clubs befinden. Eine Online-Petition hat bisher doppelt so viele Stimmen sammeln können, als nötig wären, um das Thema in die Lokalpolitik zu bringen. Daher hofft die Szene auf eine baldige Aufhebung der Sperrstunde.

Engagement für Gleichberechtigung 

Politik wird aber auch ganz unmittelbar gemacht. Ein großes Diskussionsthema ist seit einiger Zeit die Gleichberechtigung hinter dem DJ Pult. Das Netzwerk female:pressure zeigt jährlich auf, wie viele weibliche Acts beispielsweise auf den Festival-Line-Ups vertreten sind. Auch im Jahr 2017 ist das Verhältnis der Geschlechter ungleich:

Gender Proportions of Festival Acts
Bildrechte: Moira Letby and CO/RE

Der Gast der Sendung, Rona Geffen, ist selbst Mitglied im female:pressure Netzwerk. Sie stammt ursprünglich aus Israel und lebt derzeit in Berlin. Sie versteht es, ihren Songs starke Aussagen zu verleihen wie kaum ein anderer Künstler im Technobereich.

Als Do-It-Yourself-Musikerin weiß sie außerdem, wie wichtig es ist, gerade weibliche Produzenten zu unterstützen. Im Interview lernt ihr sie kennen und hört einige ihrer Tracks!

SPUTNIK Clubperlen vom 26.09.2017
Interpret Titel
Evaryu No Future
Rona Geffen My Rythm Line
Phantasia Bassiekat
Rona Geffen Shir Le Erev Hag
Rona Geffen Just Fuck Me
Kyoka Lined Up
Perm VI
Blac Kolor Tagebauten
Curses Together in the Dark (Inga Mauer Remix)
Ellen Allien Erdmond
John Ov3rblast Auras