SPUTNIK SPRING BREAK 2012
''Wir sind deine neue Lieblingsband''
01.02.2012
Ein ordentliches Saufgelage sollte es schon geben, wenn es "nur" ein Platz in den Top Ten geworden wäre. "Falls es die Top Fünf wird, können wir den Tag danach sicher nicht mehr stehen", hatte Sänger Felix Brummer vorhergesagt, als er am Montag im Kreis seiner Bandkollegen noch ganz harmlos an einer Tasse Kaffee in einem Chemnitzer Restaurant nippte. Wenig später erfuhren Kraftklub, dass es ihr Debütalbum "Mit K" in Deutschland auf Platz eins geschafft hat.
Der Bruder von Felix und Bassist der Band, Till Brummer, hat nun ein paar Wetten verloren. Geld gehe ihm zwar nicht flöten, er müsse nun aber "große persönliche Leiden" ertragen. Was immer es ist: Es sollte zu verschmerzen sein. Dass Kraftklub von 0 auf 1 die Charts stürmte, ist der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die bislang nur eine Richtung kannte: steil bergauf. Die Kritik liegt ihnen zu Füßen, von der derzeit aufregendsten deutschen Band ist gar die Rede.
Gerade mal zwei Jahre ist die Bandgründung her. Mit der Mischung aus Indie-Gitarrenrock und den zumeist im Rap-Duktus vorgetragenen Texten scheinen sie einen Nerv getroffen zu haben. Nach den ersten Auftritten kommen schnell die nächsten, irgendwann sind sie Vorband von Fettes Brot und den Beatsteaks und werden für Festivals gebucht. "Wir hatten nur sieben Songs, aber wir sollten dort 50 Minuten spielen. Wir mussten einfach mehr Lieder schreiben", erzählt Felix. Deshalb seien viele Lieder im Tourbus entstanden - und erst bei den Soundchecks eingespielt worden.
Die unorthodoxe Methode hat für mehrere Preise gereicht. Vor zwei Jahren gewann die Band den New Music Award, 2011 kamen Kraftklub bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest mit der Hymne "Ich will nicht nach Berlin" auf den fünften Platz. Da galten sie längst nicht mehr als Geheimtipp - obwohl ihr Debütalbum erst jetzt auf den Markt kam. Die 13 Songs auf der Platte haben sie seit langem schon live gespielt, zuletzt waren ihre Konzerte immer ausverkauft.
Die Songs von Kraftklub stammen aus der Feder von Felix. Er schreibt sie meist allein, manchmal zusammen mit Gitarrist Karl Schumann. Es sind echte Slogans darunter, wie es sie seit den früheren Tocotronic-Songs nicht mehr gibt, die Zeilen sprühen vor Ironie und charmanter Selbstüberschätzung. "Wir sind deine neue Lieblingsband - die Lieblingsband deiner Lieblingsband", heißt es da, oder "Unsere Eltern kiffen mehr als wir, wie sollen wir rebellieren?"
Wegen der Touren, die ihnen "das Allerwichtigste" sind, sind die Kraftklubmitglieder ständig auf Reisen. Ob sie nun wirklich, wie in ihrem Hit versprochen, nie nach Berlin umziehen werden? Die Texte seien "keine in Stein gemeißelten Wahrheiten", sagt Felix. Was nach Kraftklub kommt? "Wir sind Anfang 20 und haben einfach die Möglichkeit, ganz, ganz krass aufregende Sachen zu erleben. Fünf Kumpels. Und das machen wir jetzt einfach."




Artikel verbreiten:
oder
via Mail empfehlen