SPUTNIK Tagesupdate
Carsharing: Geteiltes Auto, geteilte Kosten
21.02.2012
Wer ein eigenes Auto hat und Geld sparen will, der sollte sich einen Zettel und einen Stift nehmen und alle Kosten auflisten, die so ein Auto monatlich verursacht. Mit der Kfz-Versicherung, dem ständig steigenden Benzinpreis, gelegentlichen Reparaturen, TÜV, Winter- und Sommerreifen, eventuellen Kreditzinsen, die monatlich bei einer Finanzierung zu zahlen sind und der Kfz-Steuer kommen locker 200 Euro pro Monat zusammen. Autsch!
Carsharing heißt die Alternative, und Stiftung Warentest hat den Praxistest mit mehreren Anbietern gemacht. Das Ergebnis fiel durchweg positiv aus. Heißt im Klartext, wenn ihr nicht auf dem Land oder am entlegenen Stadtrand wohnt und euer Job nicht verlangt, mit dem eigenen Pkw fast täglich kreuz und quer durch Deutschland zu düsen, dann ist Carsharing eine sinnvolle, preisgünstige und umweltfreundliche Alternative zum eigenen Auto.
Klar kommt man mit den Öffis, dem Fahrrad oder auch mal dem Taxi genauso gut ohne Auto zurecht. Doch spontane Einkäufe in Läden wie IKEA, der wöchentliche Einkauf im Supermarkt und Fahrten in entlegene Orte (zum Wandern im Wald, zum See) halten dagegen. Doch deswegen gleich ein Auto kaufen? Lohnt nicht!
Funktioniert ganz einfach!
Wer sich für die klassische Variante des Carsharing entscheidet, zahlt einen Monatsbeitrag und eine einmalige Aufnahmegebühr oder Kaution (Höhe variiert von Anbieter zu Anbieter). Die eigentliche Miete ergibt sich aus der Dauer, für die man den Wagen bracht und dem Kilometerpreis. Übers Internet, das Smartphone oder Telefon bucht man den gewünschten Zeitraum und kann sich dann das Auto von einer der Stationen abholen.
An der Station erhält man mit einer Mitgliedskarte und einem Lesefeld hinter der Windschutzscheibe Zugang zum Auto. Die Autoschlüssel bekommt man dann mit seiner PIN aus dem Handschuhfach oder einem Tresor am Standort. Bevor’s losgeht, solltet der Wagen immer noch auf Schäden überprüft und die Schadenliste gecheckt werden.
So stellt ihr sicher, dass ihr nicht für Schäden des Vormieters haftet. Ist eure Fahrt beendet, stellt ihr den Wagen einfach wieder an seiner Station ab und füllt einen kurzen Fahrtbericht aus ((Name, Auto, Uhrzeit, Kilometerstand, Uhrzeit, eventuelle Schäden). Die Rechnung wird euch dann zugeschickt.
Drei verschiedene Carsharing-Varianten
Neben der oben genannten klassischen Variante des Carsharing gibt es auch das spontane Carsharing und den privaten Autotausch. Beim spontanen Carsharing braucht ihr euch nur einmalig anzumelden und könnt mit dem Auto dann innerhalb eines bestimmten Gebietes umhercruisen. Der Wagen wird da abgestellt, wo er zuletzt genutzt wurde. Buchen könnt ihr das Auto übers Internet und Smartphone; abgerechnet wird nach der Dauer der Nutzung. Bisher gibt es diese Variante des Carsharing nur in Städten wie Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München.
Auch private Autoinhaber verleihen ihre Autos. Auf Internetportalen wie Autonetzer, Nachbarschaftsauto, tamyca und rent’n’roll findet ihr Leute, die euch ihren Pkw zur Verfügung stellen. Der Preis wird individuell festgelegt; ab 15 Euro geht’s los. Trotz Versicherung und Übergabeprotokoll bleibt hier aber immer ein Restrisiko, wenn ein Schaden am Auto entsteht.
Pro Carsharing
Carsharing ist eine preisgünstige Variante für kurze und seltene Fahrten, weil die Fixkosten, die für ein eigenes Auto anfallen, schlicht entfallen. Alle Kosten werden geteilt. Werktags kostet ein Auto im Carsharing für eine Stunde und zehn Kilometer zwischen 4,10 und 6,70 Euro. Die Autos der Anbieterfirmen sind selten älter als vier Jahre, haben alle eine grüne Umweltplakette und enthalten viele Zusatzleistungen wie Kindersitze, Gepäckträger fürs Dach und ein Navigationsgerät.
Auch ein Schutzbrief ist oft dabei, der sicherstellt, dass ihr im Falle eines Schadens abgeschleppt werdet, einen Ersatzwagen bekommt oder kostenlos im Hotel übernachten könnt. Wer Mitglied im Bundesverband Carsharing (BCS) ist, kann man auf Autos aller beteiligten Firmen zugreifen. Viele Carsharing-Anbieter arbeiten obendrein mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben zusammen und bieten Rabatte oder vergünstige Monatskarten an.
Contra Carsharing
Carsharing taugt nicht für Leute, die auf dem Land oder am Stadtrand wohnen. Auch wer oft auf ein Auto angewiesen ist und auf mehr als 10.000 gefahrene Kilometer pro Jahr kommt, findet im Carsharing keine Alternative zum eigenen Auto. Für Urlaubsreisen und längere Fahrten solltet ihr lieber einen Mietwagen buchen; dann kommt ihr mit einem Auto der Mietwagenanbieter günstiger. Wer jünger als 25 Jahre ist, muss sich beim Carsharing auf bestimmte Bedingungen (nur Kleinwagen) einlassen. Im Falle eines Schadens, und sei es auch nur ein Kratzer, haftet immer der Kunde.
Carsharing in Fakten
Der Carsharing-Markt ist noch jung und ausbaufähig. Bundesweit rollen 42 Millionen Autos inder Republik, aber nur 190.000 davon sind Carsharer. Dennoch ist die Nachfrage nach einem Teil-Auto im Jahr 2011 um knapp 20 Prozent gestiegen. Der Bundesverband Carsharing schätzt, dass je nach Anbieter 25 bis 35 Leute ein Teil-Auto nutzen. In der Regel werden diese Autos für knapp eine Stunde gebucht.
Carsharing-Anbieter in Leipzig
| Anbieter | Stationen vor Ort/Anzahl Fahrzeuge/Modelle | Preis für Kleinwagen pro Stunde und 10 km | Selbstbehalt/Auf-nahmegebühr |
|---|---|---|---|
| Flinkster | 74/134/Alle Klassen | 5,00 + 1,70 und 2,00 + 2,50 Euro | 1.500 Euro/50 Euro |
| teilAuto | 75/150/Alle Klassen | 2,20 + 2,40 Euro | 1.500 Euro/25 Euro |
Auch in Berlin, München, Köln und Münster gibt es natürlich einige Carsharing-Anbieter. Welche das sind und welche Konditionen sie anbieten, erfahrt ihr auf der Seite von Stiftung Warentest.







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