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Bundespräsident Gauck nimmt Amtsgeschäfte auf
19.03.2012
Von wegen Politik ist träge und langsam. Nachdem am Freitag, dem 17. Februar, Christian Wulff vom Amt des Bundespräsidenten zurücktrat, stand schnell der Kandidat für seine Nachfolge fest: Joachim Gauck.
Überraschung und Freude bei Gauck
Joachim Gauck reagierte zunächst überrascht und bedankte sich auf der folgenden Pressekonferenz für das Vertrauen, dass ihm entgegengebracht werde. Die Parteispitzen der SPD, Grünen, Union und FDP lobten seine moralische Authentizität, die jetzt in Deutschland dringend gebraucht werde.
Joachim Gauck: "Ich hoffe, dass ich all dem Lob gerecht werde. Ich will den Menschen Freiheit und Verantwortung wieder näherbringen. Darin sehe ich die Hauptaufgabe in meinem Land.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Joachim Gauck ist die Idee der Freiheit in Verantwortung und das ist es auch, was mich ganz persönlich, bei aller Verschiedenheit mit Joachim Gauck verbindet.“
Gaucks prägende Kindheit
Joachim Gauck wurde 1940 in Rostock geboren, wo er auch einen Großteil seines Lebens verbrachte. Die Verschleppung seines Vaters nach dem Zweiten Weltkrieg in ein sibirisches Arbeitslager und die Erziehung seiner Mutter, die ihm nahelegte, politische Systeme zu hinterfragen, statt sich den Obrigkeiten einfach unterzuordnen, prägten Joachim Gauck sehr. In seinem Theologiestudium von 1958 bis 1965 habe Gauck diese Freiheit gefunden.
Joachim Gauck: "Mein Weg zur Theologie war in der DDR nicht ungewöhnlich. Vor und nach mir haben sich viele aus ähnlichen Motiven für diesen Beruf entschieden – was das starke Engagement vieler Pastoren beim politischen Aufbau 1989 erklärt.“
Gaucks Wirken als Pfarrer und Bürgerrechtler
Ab 1967 arbeitete Joachim Gauck als evangelischer Pfarrer und engagierte sich in der Missionsarbeit. In den 70er und 80er Jahren zog Joachim Gauck die Aufmerksamkeit der Staatssicherheit (Stasi) auf sich, nachdem er in einer seiner Predigten das sozialistische Regime der DDR mit dem Faschismus verglichen haben soll.
Zu Zeiten der friedlichen Revolution engagierte sich Gauck für ein vereinigtes Deutschland, wurde als Abgeordneter in die Volkskammer der DDR gewählt und eines der führenden Mitglieder des Neuen Forums, einer Bürgerbewegung, die viel zur Wende beigetragen hat. Nach der Wiedervereinigung leitete Joachim Gauck von 1990 bis zum 2000 die Stasi-Unterlagen-Behörde, die den Nachlass des Staatssicherheitsdienstes verwaltet.
Gesellschaftliches und politisches Engagement
Joachim Gauck engagiert sich auch nach seiner Arbeit als Beauftragter für Stasi-Unterlagen politisch. Der parteilose Bürgerrechtler hält Vorträge, hat mehrere Schriften zu gesellschaftspolitischen Themen veröffentlicht und ist seit 2003 Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie“.
Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März
Gestern wurde Gauck von der Bundesversammlung zum elften Bundespräsidenten dieses Landes gewählt. Bereits 2010 trat er als Kandidat von SPD und Grünen zur Wahl des Bundespräsidenten gegen Christian Wulff an, scheiterte jedoch im dritten Wahlgang.
Welche Amtshandlungen nun von Joachim Gauck erwartet werden und wie die Internetgemeinde auf den neuen Bundespräsidenten reagiert, erfahrt ihr von Moderator Camillo im SPUTNIK Tagesupdate ab 18 Uhr. Einschalten!







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