Meinung Cosplay gehört zur Buchmesse!

Ein Journalist vom SWR möchte die Cosplayer von der Leipziger Buchmesse „verbannen“. SPUTNIKerin Theresa wirft sich selbst gern mal ins Kostüm und hält deshalb gar nichts von dem Vorschlag. Also hat sie dem Journalisten Carsten Otte ganz persönlich geantwortet.

Lieber Herr Otte,

gut, dass es ComicCons und Manga-Messen gibt. Da können Gleichgesinnte zusammenkommen ohne blöd von der Seite angeguckt zu werden, denn dort ist es eben „normal“.

Wenn es nach Ihnen ginge, sollten sich Cosplayer bitte auch nur dort austoben. Frei nach Motto: Anders sein ist okay, aber bitte woanders!

Nun gibt es aber die Leipziger Buchmesse. Dort, wo Intellektuelle, Leseratten und Kostümfans aufeinander treffen.

Letztere passen Ihrer Meinung nach nicht dazu. Warum? Weil die Welt so ein trister Ort ist? Weil es besser wäre, nach politischen Diskussionen bedrückt übers Messegelände zu schlendern? Sind die Farbtupfer und Paradiesvögel nicht gerade das, was wir momentan brauchen?

Von wegen „uninteressiert“

Sie werfen den Cosplayern vor, sich „nicht für die Literatur zu interessieren“. Aber was haben dann die "halbnackten Hasen" und die "düsteren Ritter mit ihren Schwertern" überhaupt bei der Diskussion zur Lage in der Türkei gesucht?

Und wieso verstopfen Cosplayer die Durchgänge, wenn sie sich eh nur in ihrer Freak-Halle aufhalten?

Die Messestadt Leipzig steht für Vielfalt

Leipzig ist eine weltoffene Stadt!  Das zeigt sich auch jedes Jahr zu Pfingsten, wenn sich Krankenschwestern und Buchhalter in eine Victorian Lady oder einen barocken Adligen verwandeln. Dann ist nämlich Wave Gotik Treffen (WGT), die für mich schönste Zeit des Jahres.

Und auch wenn die Farben hier weniger bunt, sondern eher düster sind, so ist die Intention der Kostümierten ähnlich. Falls jemand mal auf die Idee kommen sollte das WGT aus Leipzig „verbannen“ zu wollen – viel Spaß beim Auswandern!

Cosplay steht für Kreativität und Leidenschaft

Dass sich viele Cosplayer schon ein Jahr im Voraus Gedanken über ihr Kostüm machen und mit Nähmaschine und Klebepistole stundenlange Zeit, Arbeit und Geld investieren, haben Sie inzwischen ja schon selbst in ihrer Klarstellung festgestellt.

Was die Nacktheit betrifft: Die Manga und Comic Convention der Leipziger Buchmesse hat sehr strenge Regeln. Zum Beispiel:

Die Kostüme dürfen nicht zu freizügig sein, d.h. Oberkörper, Intimbereich und Po müssen aus-reichend von Kleidung bedeckt sein – das gilt für beide Geschlechter. Obszöne Gesten/Handlungen sind ebenfalls untersagt.

Sie fordern eine „Verbannung“ der Cosplayer. Die Leipziger Buchmesse möchte auf sie aber nicht verzichten. Ich habe nachgefragt, wie sie zu Cosplay stehen und folgende Antwort bekommen:

Die Themen Manga, Comic, Anime, Games und Cosplay sind über Jahre hinweg gemeinsam mit der Leipziger Buchmesse gewachsen. Die Manga-Comic-Con (kurz: MCC) als eigene Veranstaltung im Verbund mit der Leipziger Buchmesse zu etablieren, war eine bewusste Entscheidung, um dem lesefreudigen Publikum dieses florierenden Segments mehr Raum zu geben.

Sie müssen sich wohl damit arrangieren. Oder toleranter werden.

Nein, niemand will ein „Sexual Fantasy Outfit“ auf einer Beerdigung sehen. Auf der Leipziger Buchmesse sollte es aber weiterhin erlaubt sein.

Theresa Itzinger

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIKer am Wochenende | 25.03.17 | 6.00 - 16.00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2017, 18:04 Uhr