SPUTNIK Blackbeatz vom 22.12.2017: Best of 2017

Brexit rückwärts ... the best of 2017

Da beschließt die immerhin als Vereinigtes Königreich firmierende Insel anno 2016, sich via Volksentscheid aus diversen restlichen Vereinigungsverträgen zu lösen und fortan ein isoliertes Dasein im westlichen Schmollwinkel des europäischen Kontinents zu fristen. Und was passiert ein Jahr später?

Britannien flutet die Welt mit einer schier unerschöpflichen Anzahl erstklassiger tonaler Erzeugnisse, die dem entzückten Festland-Konsumenten vor allem eins suggeriert: Wir sind noch da! Oder: Jetzt erst recht? Neben den etablierten Grime-Kadern wie Chip oder Dizzee Rascal seien an dieser Stelle auszugsweise Krept & Konan, Lethal Bizzle, Stefflon Don, Not3s, Giggs oder Yungen genannt.

Nicht zu vergessen die halsbrecherischen Club-Avancen der Herren Donaeo oder Bugzy Malone.       

Migos-Mania

Im Gegensatz zu Englands Artenvielfalt wirkt die Anzahl der Single-Chartpole-Inhaber der Ami-R&B-und-Hip-Hop-Sparte etwas übersichtlich. Exakt: 6.

Neben dem seit Spätherbst unerschütterlich den Rockstar mimenden Post Malone, dem Lieblingsluftikus Bruno Mars und dem als sich selbstablösende Doppelspitze agierenden DJ Khaled war das einerseits ein demütiger Kendrick Lamar.

Andererseits eine Göre aus der Bronx, die sich anschickt, der guten Nicki Minaj mit abgehangenem Trap-Sound den Rang abzulaufen: Cardi B.

Dass man mit einem ebenso tiefergelegten 5 Minüter und einem initialen "Raindrop - Drop Top" nicht nur zum Kassenschlager sondern auch zum Feuilleton-Thema taugt, bewiesen drei Herren aus Atlanta, die mit ihrem Knaller "Bad and Boujee" nicht nur eine wahre Migos-Mania auslösten, sondern die Zukunft des Genres völlig neu skizzieren.

Verdammte Rechenspiele

Die Gegenwart heisst einmal mehr Kendrick Lamar. Der Rasta-Knirps aus Compton stilisierte sich im Jahr 1 nach der Trump-Wahl zum kritischen Gewissen wider der drohenden Staatsverdummung, inszenierte sich selbst fast diabolisch mit einem Hauch von Cassandra-Touch und bugsierte seinen Longlplayer "DAMN" branchenübergreifend auf die "Best-Of-Treppchen des Jahres". Die Grammys kann man wohl schon mal gravieren. U

nd während der gute Jay-Z mit "4:44" das beste Altherren-Album vorlegte, dropte Chris Brown das mit den meisten Hits, was die 1 und 3 in den hiesigen Urban-Charts durchaus verdeutlichen. Bei knapp 45 Songs blieb der Hit-Promille-Quotient allerdings beschissen, wohingegen in dieser Kategorie Drizzy Drake nicht zu toppen war.

Der brachte so ziemlich alle Tracks seines "More Life"-Longplayers in den spartenrelevanten Ami-Single-Charts unter, obwohl der letztendlich fluffigste Hit "Signs" nicht mal drauf war. Verstehe einer diese Taschenrechnerspielchen.

Geheime Urnenwahl

Ansonsten durfte man in dieser Saison neben der umtriebigen England-Fraktion auch nicht auf den herrlich unaufgeregten Loyle Carner, Trap-Opa Gucci Mane, den nigerianischen Tanzhallen-Durchbrecher Wizkid oder den Universal-Frauenversteher Ty Dolla Sign verzichten. Und keinesfalls auf A... Auf gehts, zur Top 3 der Black Beatz-Baracke, wie gewohnt in geheimer, fälschungssicherer Urnen-Wahl ermittelt.

Platz 3

Erst kam Migos, dann Future. Und wäre der Zukunft damit nicht genug getan, nuschelte sich mit 21 Savage der jüngste Schrei der Atlantafraktion vermutlich erst durch das Valium-Regal der örtlichen Apotheke und dann durch das Beat-Archiv des Metro Boomin, um am Ende im Angesicht seines Kontostandes zu konstatieren:

Sie verstehen weder meinen Slang noch meinen Akzent. Sie wissen nicht, wie sie das kategorisieren sollen. Und dabei ist es schlicht Kunst.

Zum Schluss legte er mit Migos' Offset noch ohne Warnung einen drauf und verdrängt den eigentlich hier eingeplanten auf Platz 3,5. Aber wer kennt schon NexXthursday? Skü Skü...

Platz 2

Der beginnt mit A. Wie Außenseiter. Wie Aminè. Und A Boogie With Da Hoodie.

Der Eine:

Man denkt niemals daran, dass ein Rapper oder ein Schwarzer aus Portland kommen könnte...

Der Andere:

Ich war ein völliger Normalo, niemand nahm Notiz von mir. Ich war einer dieser Typen, die im Klassenraum völlig still in der hinteren Reihe sitzen.

Der eine pflanzte mit "Good For You" eine der freshesten, witzigerweise aus der Portland-Depression extrahierten Alben in den Spätsommer und zimmerte sein "Spice Girl'" auf eine fast seelenverwandte Beatvorlage wie unser anderer schüchterner Kapuzen-Knilch sein "Say A'". A Boogie With Da Hoodie's Longplayer "A Bigger Artist" brachte die Bronx zurück "on the map" und ihn als Double-A auf den Silberrang.

Platz 1

Tja, wen soll man da wählen, aus diesem britischen Plum-Pudding mit Bounce- Garantie? Wir fangen ganz unpatriotisch mit dem Schotten Calvin Harris an, der ganz unaufgeregt mit dem schörkellosen Diskoriemen namens "Slide" eine Schlitterpartie vom Feinsten entfachte.

Ordentlich abgegroovt wurde auch nach "Did You See" von J-Hus, über dessen Longplayer "Common Sense" seitens der Premium-Rezensenten von Pitchfork verlautbart wurde:

Stell dir vor, Kanye West hätte in seiner Backpack-Rap-Phase angefangen, Grime, Dancehall und Afrobeat zu all diesen Motown Classics zu hören.

Das größte Spektrum bot aber ein 23-jähriger Hassadeur, der seinen Oxford-Studienplatz gegen You Tube eintauschte und zum 2017er Exportschlager Londons avancierte: "Ich will zeigen, dass ich große R&B-Songs, große Afrobeat-Tunes und anderes tightes Zeug drauf habe. Ich will beweisen, dass ich nicht nur Grime bin." Hat er! Mit Stormzy von "Big For Your Boots" bis "Cigarettes & Cush".

Das ist SPUTNIK Black Beatz, the best of 2017.

SPUTNIK Blackbeatz vom 22.12.2017 | Stunde 1
Titel Interpret
Big For Your Boots Stormzy
Black Donaeo feat. JME & Dizzee Rascal
Through The Night Bugzy Malone feat. DJ Luck & MC Neat
Ask Flipz Krept & Konan feat. Stormzy
I Win Lethal Bizzle feat. Skepta
I Get The Bag Gucci Mane feat. Migos
It's A Vibe 2 Chainz feat. Ty Dolla Sign, Trey Songz & Jhene Aiko
I Spy Kyle feat. Lil Yachty
Humble Kendrick Lamar
Mask Off Future
Bank Account 21 Savage
Xo Tour Lif3 Lil Uzi Vert
Space Dizzee Rascal
Spice Girl Amine
Say A' A Boogie Wit Da Hoodie
Rockstar Post Malone feat. 21 Savage
Wild Thoughts DJ Khaled feat. Bryson Tiller & Rihanna
Come Closer Wizkid feat. Drake
Celebration Not3s & MoStack
Body Sean Paul feat. Migos
Pana Tekno
Mon Ami Still Fresh
Uno Mas N.O.R.E. feat. Pharrell
F With U Kid Ink feat. Ty Dolla Sign
Unforgettable French Montana feat. Swae Lee
SPUTNIK Blackbeatz vom 22.12.2017 | Stunde 2
Titel Interpret
Bad And Boujee Migos feat. Lil Yachty
Bodak Yellow Cardi B
Flood Watch Juicy J feat. Offset
Gucci Gang Lil Pump
Too Much Sauce DJ Esco feat. Future & Lil Uzi Vert
No I Love Yous Era Istrefi feat. French Montana
London Jeremih feat. Stefflon Don & Krept & Konan
Hurtin' Me Stefflon Don feat. French Montana
Linguo Giggs feat. Donaeo
Loin Maitre Gims
Dimes Only DJ Polique feat. Snoop Dogg, Follow Your Instinct & Jacob Luttrell
Distance Omarion
Signs Drake
Did You See J Hus
Mi Gente J Balvin & Willy William
Questions Chris Brown
Slide Calvin Harris feat. Frank Ocean & Migos
Sway NexXthursday feat. Quavo & Lil Yachty
Blessings Lecrae feat. Ty Dolla Sign
That's What I Like Bruno Mars
Lemon N.E.R.D. feat. Rihanna
Love U Better Ty Dolla Sign feat. Lil Wayne & The Dream
So Excited Fat Joe feat. Dre
Like A Star Fetty Wap feat. Nicki Minaj
Bestie Yungen feat. Yxng
Cigarettes & Cush Stormzy feat. Lily Allen & Kehlani