SPUTNIK Black Beatz vom 17.12.2021: M1llionz

How any Times … the best of 2021

"Wie oft denn noch?" Es könnte das Motto des Jahres sein. Hatte man nach den bescheidenen Silvesterfeierlichkeiten 2020 geglaubt, Corona sei im Frühjahr passé, brachen 3. und 4. Welle über uns herein, nahtloser Übergang zur 5. nicht ausgeschlossen. So ähnlich verhielt es sich auch mit der Album-Hitparade im Amiland, denn schon wieder surfte der "Certified Lover Boy" Drake zu neuesten Bestmarken. Nicht minder solide lieferte J. Cole, nicht minder spannend Tyler, The Creator und nicht minder verschroben Kanye West Longplay-Ware ab. Den US-Überraschungscoup landete aber Lil Nas X. Der ehemalige Country-Rap-Roadster ritt schnurstracks zum persönlichen Coming Out und stellte damit quasi die Branchengesetze auf den Kopf. Und er tänzelte im Bunde mit Jack Harlow beste Blockbuster-Grüße direkt aus dem Knast: Industrie Baby.

 

Liebe und Hass

Allen Spotifys und YouTubes zum Trotz ist auch in U.K. anno 2021 das Album-Format nicht ausgestorben. Vom Grime-Veteranen Ghetts, dem ADHS-Kid Slowthai oder NBA-Fan AJ Tracey bis hin zu "Defending Digga D" oder dem fluffigen Fusions-Filou Not3s – der Großraum London strotzte mitsamt anliegender Provinzen wieder vor Kreativität. Zum Klassenbesten dürfte sich erneut Dave aufgeschwungen haben, der sich als Ahnenforscher und Hans Zimmer-Bekannter outete und nicht nur mit Wizkid Systemrelevantes ablieferte. Getoppt wurde der Psychodrama-Mann nur von Little Simz, die unfassbar erdig von ihrer introvertierten Seite berichtete. Und von ihrer Unentschlossenheit in Sachen Zuneigung: I Love You, I Hate You.

Skate '74

Es hätte die Platte des Jahres werden müssen. Funky Bruno Mars schließt sich mit funky Anderson. Paak als Silk Sonic zusammen und beide begeben sich mit erlesenen Outfits und filigran gezirkelten Tanzmoves auf kompromisslose Retro-Mission. Mit fast wissenschaftlicher Präzision und akustomanem Ehrgeiz näherten sich die beiden den Sound-Geheimnissen der 70iger bis auf Plektrum-Stärke und vergaßen auch eine gehörige Schippe Schmalz nicht. Trotzdem durfte es durchaus überraschen, dass der rührselige Türöffner "Leave The Door Open" so richtig in die Ami-Charts krachte. Favorit in der Black Beatz Baracke – und damit Bronzeplatz der wie immer in geheimer Urnenwahl ermittelten Top 3 – "Skate". Hammer! Ach und warum nicht Platte des Jahres? Ganz einfach: zu kurz.

 

Sample-Sonne

Aber nicht nur Bruno und Anderson frönten dem tonalen Nostalgie-Zauber. Es wurde gesampelt und geklaut, von 80iger bis 90iger, und alle fanden es spitze. Das bewies nicht nur Moneybagg Yos "Wockesha" auf DeBarge bzw. Ashanti, sondern auch Wale auf Q-Tips "Vivrant Thing" oder 50 Cent auf Keni Burke. Einen drauf setzte da noch G-Eazy, der sich nicht nur den loop, sondern gleich den leibhaftigen Mark Morrison schnappte, um den endgültigen "Return Of The Mack" abzufeiern. Und wer toppt das noch? Eindeutig Fat Joe. Der ließ sich eine alte Luther Vandross-Hymne passgenau auf die textil ornamentierte Plauze schneidern und schipperte mit seiner prominenten Mischpoke direkt auf Jahres-Eins der hiesigen Urban Charts. Unser Silberaspirant mit alten Posern beim Prosten – selten so herzlich Schenkel geklopft.

 

Gold-M1llionz

Aber wer denkt, dass nur die geboosterte Risikogruppe aus dem Rap-Seniorenheim den Takt vorgab, liegt völlig falsch. Besonders ein Blick auf die Insel offenbart eine gelungene Nachwuchs-Förderung. Einerseits erfreuten Aitch, Pa Salieu, Yxng Bane oder Young T & Bugsey mit famosen afro-zentrierten Tanzriemen, andererseits meldete sich die Drill-Fraktion wieder deftig zu Wort. Allerdings nicht nur von der rauen Seite. So gibt das 19-jährige Brighton-Raubein Arrdee ganz handzahm den Rosenkavalier und scharwenzelt sich mit "Flowers" an die Chartspitze, während dies im Frühjahr das ungleiche Duo A1 & J1 mit City-Roller und Wasserpistole als "Latest Trends" vor allem auf Tik Tok taten. Der Goldpokal in der Black Beatz Baracke geht allerdings nach Birmingham. Von da brach M1llionz zusammen mit Lotto Ash in südliche Gefilde auf, um ganz branchenkonform über Moneten, Knast und falsche Freunde zu palavern. Mit der Frage: How Many Times?

 

SPUTNIK Black Beatz vom 17.12.2021 | Stunde 1
Titel Act
Skate Bruno Mars, Anderson .Paak, Silk Sonic
Bad Pa Salieu feat Aitch
Rollin' Mist feat Burna Boy
Boom Bam Not3s feat. Young T & Bugsey
Party Round My Place Aitch feat. Toddla T & Avelino
Industry Baby Lil Nas X feat. Jack Harlow
Mazza Slowthai feat. ASAP Rocky
Wasted Digga D feat. ArrDee
Wow Tion Wayne
I Luv You Hardy Caprio
Best Friend Saweetie feat. Doja Cat
Part Of The Game 50 Cent feat. NLE Choppa & Rileyy Lanez
Provide G-Eazy feat. Chris Brown & Mark Morrisson
Body In Motion DJ Khaled feat. Bryson Tiller, Lil Baby & Roddy Rich
Guilty Sevyn Streeter feat. Chris Brown & ASAP Ferg
I Love You, I Hate You Little Simz
Ski Young Stoner Life feat. Young Thug & Gunna
Playtime SL
Siberia Headie One feat. Burna Boy
Fck Boys Blxst feat. Russ
Bestie Culture Jam feat. A Boogie Wit Da Hoodie & Capella Grey
Only Fanz Sean Paul feat. Ty Dolla Sign
Poke It Out Wale feat. J. Cole
SPUTNIK Black Beatz vom 17.12.2021 | Stunde 2
Titel Act
Thot Shit Megan Thee Stallion
Mill$ Queen Millz
Lonley DaBaby feat. Lil Wayne
Way 2 Sexy Drake feat. Future & Young Thug
Splash Tyga feat. Moneybagg Yo
Sunshine The Light Fat Joe feat. DJ Khaled & Amorphous
System Dave feat. Wizkid
Balance T Mulla feat. Hardy Caprio
Essence Wizkid feat. Tems & Justin Bieber
Be My Guest WSTRN feat. Fireboy DML
Kilometre Burna Boy
Big Bidness Young T & Bugsey
Birthday Yxng Bane feat. Stefflon Don
Anxious AJ Tracey
Up Cardi B
Wockesha Moneybagg Yo
Rapstar Polo G
Too Easy Gunna & Future
Body Russ Millions x Tion Wayne
The Great Escape Blanco & Central Cee
Latest Trends A1 x J1
How Many Times M1llionz feat. Lotto Ash
Flowers (Say My Name) ArrDee
Nirvana Skepta feat. J Balvin
Skengman Ghetts feat. Stormzy