SPUTNIK Black Beatz vom 21.12.2018: The Best of 2018

Wenn es die Leute Afrobeat, Afroswing oder Afrowave nennen, ist das ziemlich lustig. Denn in meinen Ohren ist das eindeutig UK-Music.

Das muss ausgerechnet von einem gebürtigen Nigerianer kommen, um die prägende 2018er Trendbeschallung topographisch zu determinieren. Und dabei steckte dieser Mr. Eazi mitten drin im Sound des Jahrgangs 18, indem er das äußerst lässige "Property" zusammen mit Mo-T in die Spur schickte. Während Jungspund EO auch hierzulande nicht ganz unbeachtet über die Vorzüge germanischer Luxus-Boliden palaverte, loteten die Herren Fredo, Young T & Bugsey die kommerzielle Obergrenze im Königreich aus und trugen unter dem Claim einer angesagten Klamottenbutze mit Karamba zur allgemeinen Clubbespaßung bei.  

Ami-Straßenfeger

Mit einer Prise Kommerz hatte Drake nie ein Problem. Sein göttlicher Masterplan 2018 bestand anfänglich in portionierten Dollarbündeln, die er YouTube-wirksam als Wünsch-Dir-Was-Onkel an staunende Passanten verteilte. Im Ami-Land ganz klar Hit des Jahres, enterte er auch mit dem Rest des Scorpion-Albums so ziemlich jedes Goldtreppchen der mannigfaltigen Billboard-Endabrechnungen. Drakes Damen-Pendant ist eindeutig Cardi B, die mit "I Like It" einen viralen Hit fabriziert und den hochstilisierten Barbie-Struggle vs. Nicki Minaj eindeutig für sich entschieden hat. Dazwischen säuselte sich Sturztrinker und Möchtegern-Rocker Post Malone auf den Silberrang. Dessen Schizo-Chimäre aus Metal-Herz und Rap-Kehlchen gipfelte im famosen Duett mit Kumpan Ty Dolla Sign und dem wortwörtlichen Prädikat "echt psycho".

Meine Fresse

An einem anderen 2018er Trend war dieser Zausel aus L.A. ebenfalls nicht ganz unschuldig: der dauerhaften Gesichtscolorierung. Nun gab es auch schon früher die üppig tätowierten Herren Lil Wayne, Birdman oder Gucci Mane mit seiner Wangen-Eistüte. Aber erst mit den Jungstars dieser Dekade müssen Mütter plötzlich fürchten, dass ihre Kids face-behackt von Klassenfahrten zurückkommen. Dazu trug nicht nur der umstrittene, aber mit "FeFe" ordentlich abräumende 6ix9ine oder das hier mit seinem "Nowadays" groß auftrumpfende Provinz-Talent Lil Skies bei, sondern vor allem XXXtentation. Der Einzelgänger mit der Knastsozialisation wurde allerdings von seiner eigenen Vergangenheit eingeholt und vor einem Drugstore sinnlos abgeknallt. Ob nun mit 2-Pac-Effekt oder ohne, sein "Sad!" zählt wirklich zu den Oden des Jahres.

Mac Queen

Während gerade eben das erste Nachlasswerk des nur 20 Jahre alt gewordenen Florida-Jungen auf die Chart-Pole hüpfte, füllt das Nachlasswerk der Aretha Franklin ganze Lagerhallen. Die unbestrittene Queen of Soul droppte ihre erste Langspielplatte 1956 und avancierte später zum Sprachrohr der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. Unvergessen, als sie mit Hut und Schleifchen 2009 Barak Obama famos intonierend inthronisierte. Mit 76 Jahren wurde sie nun mit ihren roten Stilettos begraben, ihre Songs bleiben unsterblich. Respekt! Den verdient auch das sympathische Pittsburgh-Raubein Mac Miller für den wohl traurigsten Abgang 2018. Erst schien es, er hätte sich mit seinem Album-Frischling vom Domestizierungsversuch der Ariana G. freigeschwommen, dann raffte ihn die gefährliche Drogen- und Depri-Kombi dahin. R.I.P. Mac!

Retro-Götter

Um nicht im Trübsal zu verfallen, geht es mit wortwörtlich neuem Anstrich umgehend zur Top 3 der Black-Beatz-Baracke, wie gewohnt in geheimer, fälschungssicherer Urnenwahl ermittelt. Mit "Tints" lieferte der alte Mac-Buddy Anderson Paak die wohl groovigste Fassung modernen Retro-Sounds ab und parierte damit die Steilvorlage des Bruno Mars, der mit seinem Finesse-Remix hierzulande sogar auf der 1 der Jahrescharts einschlug. Retro in Persona boten auf beachtliche Weise ein schnittig flexender Swizz Beatz oder die Carter-Sippe mit ihrer tonalen Familien-Saga. Veteranen-Status und Oldschool-Flavor vereint gab es allerdings am Schönsten von Masta Ace und Marco Polo. Deren liebevolle Hood-Homage gehört praktisch in jedes Airbnb-Profil östlich des East River, hier ist der Name Programm: "Breukelen Brooklyn".

Wunderkind

Von der 3 zur 2. Es gab sie ja erneut, diese tiefergelegten Banger, die ihre abgehangenste Form im "East Atlanta Love Letter" des 6lack fanden. "Nonchalant" nannte sich das definitive Sound-Statement des alten Problem-Kindes, der in Punkto Moodyness selbst die Herren Malone und Drake ausstach. Etwas fluffiger aufgestellt kam das hier derbe abgefeierte "1999 Wildfire" der urspünglich aus Texas stammenden Kapelle Brockhampton daher, musste sich dann aber doch der geballten Finesse und Marktkraft des neuen texanischen Wunderkindes Travis Scott beugen. Seine heimische Acherbahn-Saga "Astroworld" wird längst in der obersten Anwärterkategorie zum Album des Jahres geführt, nicht erst, nachdem das Drake-Duett "SickoMode" eine stabile US-Hitparaden-Pole, sondern auch einen souveränen Silberrang im Black-Beatz-Voting einfuhr.

London-Sound

Zur Eins. Ihnen fehlt nicht selten der übliche Wiki-Eintrag und trotzdem platzieren sie permanent frische Clips auf GRM-Daily oder laufen auf Heavy Rotation bei BBC 1xtra. Gemeint sind Herren wie Jevon & Berna, Yxng Bane oder Cadet & Deno Driz, die dazugehörigen Clubbrecher heißen dann "Wagwarm", "Vroom" oder "Advice". Großer Beliebtheit in der Black Beatz-Baracke erfreute sich daneben auch der unglaubliche Slammer "I See You Shining" des Arsenal-Fans Nines, dessen Album Crop Circle ebenfalls in der Pipeline landete.

The Winner Is

Am Ende entschied der Münzwurf. Der eine aus Brixton mit einigen Semestern Philosophie und Sound Design im Portfolio, der andere aus der miesen Gegend namens Mozart Estate und schon frühzeitig im Gang-Wesen unterwegs. Beide landeten vor gut 2 Jahren im Focus von Drake und in diesem Herbst gnadenlos auf der UK-Hitparaden-Pole. "Unsere Musik ist der neue Pop". Dave & Fredo - Funky Friday! Noch Fragen? 

SPUTNIK Black Beatz vom 21.12.2018 | Stunde1
Titel Interpret
Respect Aretha Franklin
Offence Little Simz
Finesse RMX Bruno Mars feat. Cardi B
Ay Caramba Stay Flee Get Lizzy feat. Fredo, Young T & Bugsey
Love U Long Time Maleek Berry feat. Chip
Vroom Yxng Bane
Wagwarn Jevon & Berna
I See You Shining Nines
Look Alive BlocBoy feat. Drake
Mile Away TK Kravitz
Psycho Post Malone feat. Ty Dolla Sign
SAD! XXXTentacion
Jumanji B Young
Lemon (Drake RMX) N.E.R.D. feat. Rihanna & Drake
BMT Fredo
Back It Up DeeBuzz & Hard2Def feat. T.K.O.
It's Okayyy Swizz Beatz
Freaky Friday Lil Dicky feat. Chris Brown
Taki Taki DJ Snake feat. Selena Gomez, Cardi B. & Ozuna
MIA Bad Bunny feat. Drake
What I Wanna Mostack
Sensless Stefflon Don
Get It Busta Rhymes feat. Missy Elliott & Kelly Rowland
I Like It Cardi B feat. Bad Bunny & J. Balwin
1999 Wildfire Brockhampton
Fefe 6ix9ine feat. Nicky Minaj & Murda Beatz
Funky Friday Dave feat. Fredo
SPUTNIK Black Beatz vom 21.12.2018 | Stunde 2
Titel Interpret
No Brainer DJ Khaled feat. Justin Bieber, Quavo & Chance The Rapper
Dancer DJ Polique ft. The Chaze
Me So Bad Tinashe feat. Ty Dolla Sign & French Montana
Love Struck WSTRN feat. Tiwa Savage & Mr Eaz
Property Mr Eazi feat. Mo-T
German EO
Mimi AJ Tracey
We Aint Goin FlavaOne x Leftside
Advice Cadet x Deno Driz
Swish Tyga
I Love It Kanye West x Lil Pump
Apeshit The Carters
Praise The Lord (Da Shine) ASAP Rocky feat. Skepta
Our Streets DJ Premier feat ASAP Ferg
Lucid Dreams Juice Wrld
Welcome To The Party Diplo feat. French Montana & Lil Pump
Barbie Dreams Nicki Minaj
Japan Famous Dex
In My Feelings Drake
Stir Fry Migos
Breukelen Brooklyn Masta Ace & Marco Polo feat. Smif-N-Wessun
What's The Use Mac Miller
Tints Anderson. Paak feat. Kendrick Lamar
Forrest Gump Loski
No Stylist French Montana feat. Drake
Sicko Mode Travis Scott feat. Drake
Nowadays Lil Skies feat. Landon Cube
Playinwitme Kyle feat. Kehlani
Nonchalant 6lack