SPUTNIK Popkult Dieser Hallenser saß im Knast und ist jetzt Model

Norman Theuerkorn hatte eine - sagen wir schwierige Kindheit. Nach einem Knastaufenthalt wurde er als Model entdeckt. Er träumt aber von einer ganz anderen Karriere.

Norman Theuerkorn @MB Fashion Week, Berlin
Bildrechte: Getty Images/Chelsea Lauren

Es liest sich wie das Drehbuch für die neuste NETFLIX-Serie: 1986 geboren in Halle/Saale – Schule geschmissen – erste Haftstrafe mit 20 – als Model entdeckt – Jobs für PUMA, Dior, Vouge – Umzug nach Stockholm – Rapper werden.

Vielleicht würde man sagen, diese Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär ist viel zu unrealistisch. Aber sie ist Norman Theuerkorn genau so passiert.

Aber von vorn..

In den Knast kam Norman durch sein großes Hobby: Rap.

Da hat die Technik Geld gekostet, die Mikrophone, die Computer und das Studio, das wir da gemietet haben. Es gibt beim Arbeitsamt leider keine Rubrik, wo man sagt „Guten Tag, ich habe vor irgendwie Rapper zu werden. Könnt ihr das finanzieren?"

Und wie kommt man dann vom Knast auf den Laufsteg und damit von Halle nach New York?

Das hat etwas damit zu tun, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und nicht unbedingt damit, dass man gut aussieht oder ob man im Knast saß oder nicht. Es hat etwas mit Ausstrahlung zu tun und oftmals ist es im Leben wichtig, dass man ein bisschen Glück hat.

Und das hat er. Seit Jugendtagen rappt Norman und nennt sich Nocky. Eine Berliner Agentur entdeckt ihn auf Youtube und bringt ihn zwar nicht als Rapper, aber als Model groß raus.

Dann wurde ich von einer Berliner Agentur eingeladen und dann ging das alles ganz schnell.

Der Hallenser mit dem markanten Gesicht ist an Händen, Hals und im Gesicht tätowiert. Er treibt sich nun in Paris und Mailand rum.
Hand aufs Herz und nicht geschwindelt: Hat da mal jemand gestänkert, von wegen Vergangenheit und Herkunft?

Ob man nen guten Schulabschluss hat oder im Gefängnis saß – es kommt einfach darauf an wie man mit Menschen umgeht. Und wenn ich ihnen dann erzähle wo ich herkomme und was ich erlebt habe, beeindruckt sie das eigentlich eher, als das sie das komisch finden.

Und wie wichtig ist die Kohle?

Die Menschen dürfen Geld nicht immer so wichtig nehmen. Ich zum Beispiel weiß von meinem Model Job, dass Geld mich nicht glücklich macht. Ich habe in Rio de Janero eine Campagne geschossen, da war ich im gleichen Hotel, wo zwei Wochen später die Deutsche Nationalmannschaft da stand, wo ich auch rumlag. Da habe ich trotzdem nur an die Musik gedacht. Also, wenn dein Herz an was hängt, geh dem nach.

Das Modeln zahlt Norman die Miete, aber sein Herz schlägt nach wie vor für die Musik.

Ich betrachte mich als jemand, der als Model arbeitet, aber kein Model ist. Das ist ein ganz großer Unterschied.

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIK Popkult | 17.05.17 | 20.10 Uhr