SPUTNIK Popkult So sexistisch ist das Rap-Business wirklich

Viele Texte im Hip Hop sind extrem sexistisch. Rapperin Lumaraa erzählt, wie es hinter den Kulissen zugeht und wie sie solche Texte sieht. Ein Kommentar.

Lumaraa auf dem SPUTNIK SPRINGBREAK
Bildrechte: MDR SPUTNIK

Sexismus im Hip Hop lässt sich sehr gut mit einem Horrorfilm vergleichen. Kein normaler Mensch würde auf die Idee kommen, mit einer Kettensäge durch den Wald zu rennen, um irgendwelche Menschen zu töten. Wir sehen es uns so gerne an, weil es Grenzen überschreitet und man aus dem Alltag gerissen wird.

Faszination am Übertriebenen

Ähnlich ist es bei sexistischen Texten. Ich kenne wenig Frauen, die sich von derartigen Texten diskriminiert fühlen. Sie beziehen die Beleidigungen nicht auf sich. Es ist mehr die Faszination am Übertriebenen, die dazu führt, dass solche Texte auch von Frauen immer öfter und gerne gehört werden. 

Auch ich habe schon frauenverachtende Wörter benutzt, aber ich bin auch in einer Zeit aufgewachsen, in der solche Wörter von Jugendlichen als normal empfunden werden und in keiner Weise so gemeint sind, wie sie ursprünglich im Duden definiert wurden. 

Auf der einen Seite ist es schade, dass wir uns auf so einen niederen Wortschatz herabgelassen haben, auf der anderen Seite ist Musik immer noch Kunst und da bleibt jedem selbst überlassen, wie kreativ er mit solchen Wörtern sein möchte. 

Hinter den Kulissen ist es entspannt

Ich selbst habe im Hip Hop-Bereich noch keine sexistischen Bemerkungen abbekommen.  Ich war auf vielen großen Hip Hop-Festivals, bei denen ich einige Musiker getroffen habe, die in ihrer Musik jegliche Grenzen in Bezug auf die Frauenfeindlichkeit überschritten haben.

Allerdings waren die meist sehr höflich und zuvorkommend zu mir. Vielleicht muss man noch dazu sagen, dass es wirklich Frauen gibt, die sich nach den Auftritten ihres Idols in den Backstage-Bereich begeben und dort genau das widerspiegeln, was der ein oder andere Rapper in seinem nächsten Song sagt. 

Ich nehme Hip Hop immer noch als Kunst wahr, in der man sich auf verschiedenartige Weise ausdrücken kann. Vielleicht sollte man auch gerade in der heutigen Zeit nicht alles all zu ernst nehmen. 

Ich gehe ja auch nicht raus und schlage Menschen den Kopf ab, nur weil ich gerade einen Horrorfilm gesehen habe. 

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIK Popkult | 25.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2018, 08:52 Uhr