Years & Years Frontmann Olly Alexander während eines Konzerts beim Coachella Music Festival in Indigo/Kalifornien
Bildrechte: MDR SPUTNIK/St.Flad

SPUTNIK Popkult Der harte Weg zur Queer-Ikone

Olly Alexander, Frontmann der Elektro-Pop-Band Years & Years, ist offen schwul und eine Ikone der queeren Community. Der Weg dahin war nicht leicht.

von Julia Bader

Years & Years Frontmann Olly Alexander während eines Konzerts beim Coachella Music Festival in Indigo/Kalifornien
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Auf dem neuen Album "Palo Santo" von Years & Years schüttet uns Olly Alexander seine Seele aus, die vor allem regenbogenfarben schillert. Denn Olly ist schwul und macht in seiner Musik keinen Hehl draus.

Keine Geheimnisse

Schon beim ersten Album von Years & Years hat er klargestellt, dass er über Männer singt. Auf dem Nachfolger "Palo Santo" erzählt er noch konkreter über sein LGBT-Leben, zum Beispiel wie schmerzhaft es sein kann, wenn andere denken, dass du sexuell falsch gestrickt bist.

Es ist sehr wichtig für mich authentisch zu sein. Es sind persönliche Erfahrungen von mir, darum muss ich sie natürlich auch in meine Musik packen. Popmusik ist wie ein trojanisches Pferd, denn du kannst einen Popsong schreiben, der catchy und spaßig ist und trotzdem kann er eine tiefgründige Botschaft haben.

Mittlerweile ist Olly zu einer Art Ikone in der LGBT-Community geworden. Von der New York Times bekam er sogar den Titel "Wichtigster schwuler Popstar unserer Zeit". Doch der Weg bis dahin war kein leichter. Vergangenes Jahr hat er in der Doku "Growing Up Gay" sehr offen darüber gesprochen.

Gewalt, Depressionen, Bulimie

Olly wuchs in einem kleinen Ort in England auf. Er wurde über sechs Jahre täglich in der Schule gemobbt, wurde Schwuchtel genannt und verprügelt.

Ich habe seit meiner Teenager-Zeit mit Depressionen zu kämpfen. Ich denke, ich habe Glück gehabt, denn ich habe das Problem erkannt und Hilfe bekommen. Trotzdem habe ich immer noch regelmäßig damit zu kämpfen.

Olly hat sich deshalb für seine Sexualität geschämt, konnte aber mit niemanden darüber sprechen. Er hat sich geritzt, hatte Depressionen und Bulimie.

Wenn man einen so großen Teil seines Lebens, seiner Identität versteckt, ist das sehr schädlich. Jeder von uns, insbesondere LGBT-Menschen, kennt Phasen, in denen sie einen Teil von sich verstecken und das ist sehr schmerzhaft. Es gibt gute Gründe, warum sich jemand nicht outen möchte. Aber ich denke, es hat so eine große Wirkung, wenn man offen mit seiner Sexualität umgeht. Es macht dann wiederum andere offener und kann eine Menge Gutes tun, wenn man den Mut dazu hat.

Seid mutig, seid stolz

Für Olly ist das Versteckspiel mittlerweile vorbei. Bei einem Medientraining vor ein paar Jahren wurde ihm trotzdem geraten, seine Sexualität in der Öffentlichkeit geheim zu halten. Es würde nur Angriffsfläche bieten.

Aber er hörte nicht auf die "vielleicht gut gemeinten Ratschläge", wollte seine Fans nicht anlügen, sondern so natürlich und ehrlich wie möglich sein.

Ich hoffe, dass die Botschaft, die ich streue inspirierend ist für andere, die dann ihre eigene Botschaft verbreiten.

Er will ein positives Bild vermitteln und zum Coming Out ermutigen. Seine Message: Genießt euer Leben, liebt euch und euren Körper und habt Spaß.

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIK Popkult | 16.07.18 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2018, 12:42 Uhr