Kein Plan ist ein Plan.

Buch "Strom auf der Tapete", von Badey un Claudia Kühn
Bildrechte: Verlag Beltz & Gelberg/SPUTNIK

Was war dein größter Wunsch, als du so 14, 15 Jahre alt warst? Urlaub ohne Eltern? Ein eigenes Auto, um überall selbst hinzukommen? Niemand, der einem was vorschreibt, auch keine Lehrer? In unserem Sommerbuch der Woche geht das alles für zwei Leute gleichzeitig in Erfüllung, obwohl sie sich das eigentlich gar nicht gewünscht haben.

Darum geht's:

Ron Robert Ranke ist schon als Looser geboren. Er wohnt mit seiner Asi-Mutter in einem Asi-Block in einem Asi-Viertel. Was tun gegen den Frust? Grübeln, Ketterauchen, Wütendsein und sowas. Ron hat Geburtstag und erwartet nichts. Keine Torte, keinen Nudelsalat. Und gerade, als er sich damit abfinden will, das sein Geburtstag wieder mal ein bisschen Scheiße werden würde, passiert voll viel Komisches…

Erstens: Seine grimmige Mitschülerin Clara sitzt plötzlich neben ihm im Bus nach Hause. Stehen ginge auch nicht, denn sie braucht ’nen Rollstuhl.

Zweitens: Clara will eine Geburtstagsparty feiern, mit ihm, in seiner Asi-Wohnung im Asi-Block mitten im Asi-Viertel. Uneingeladen quasi.

Und drittens: Vor Ron Roberts Asi-Block steht ein weißes Cabrio, der Schlüssel steckt und Peggy behauptet, das sei sein Geburtstagsgeschenk.

Also, mal ehrlich: Wenn ein Buch so beginnt, ist doch klar, was passiert, oder? Asi-Ron Robert freundet sich mit Rolli-Clara an und gemeinsam hauen sie im Peggy-Cabrio ab. Genau. Aber bevor ihr jetzt künstlich rumgähnt, lasst euch gesagt sein: die Tour in diesem Buch mit dem Titel „Strom auf der Tapete“ von Andrea Badey und Claudia Kühn ist anders als jede, von der ihr je gehört habt. Sie ist lustiger, liebevoller – und voll verpeilt. Clara will auf ein Konzert in Berlin, und Ron Robert will seinen Vater finden, in einem Ort namens Letschow.

Gewinner des Peter-Härtling-Preis

Eine Reise ans Ende der Welt, das in diesem Roman im Oderbruch liegt. Stilsicher, witzig und zugleich mit großem Ernst lotsen die Autorinnen ihre Figuren durch die kleinen und großen Katastrophen dieses Roadmovies, durch Beinahe-Unfälle und Prügeleien mit angejahrten Dorf-Casanovas, durch Exzesse und Momente der Stille. Kann das gut gehen? Es geht gut, in jeder Hinsicht, in diesem rasanten, gegenwartstrunkenen und überraschend zärtlichen Jugendroman.

(aus der Jury-Begründung des Peter-Härtling-Preises, Quelle: www.beltz.de)

Jeden Mittwoch stellen wir euch im SPUTNIK POPKULT ab 19 Uhr ein neues Buch für euren Lese-Sommer vor. Natürlich könnt ihr das dann auch abstauben. Einfach durchklingeln unter 08000 210000.

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIK Popkult | 16.08.2017 | 20:10 Uhr