Studie Restart 19 Restart 19: Werden Großveranstaltungen trotz Corona wieder möglich sein?

Wir schreien, singen, tanzen, schwitzen und halten wenig Abstand: Veranstaltungen mit vielen Menschen an einem Ort sind wegen Corona kaum möglich. Um dafür Lösungen zu finden, organisierte die medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle im August ein Konzert mit Tim Bendzko. Jetzt sind die Ergebnisse der Studie da.

Um herauszufinden, wie Großveranstaltungen während einer Pandemie möglich sein können, simulierte die Uniklinik in Halle ein Konzert mit Tim Bendzko.
Bildrechte: Uniklinik Halle

Festivals, Konzerte, Kino- oder Theaterbesuche? All das war in den letzten Monaten nur begrenzt oder gar nicht möglich.

Das trifft nicht nur diejenigen, die gerne Veranstaltungen besuchen, Kultur genießen oder sich einen Abend im Restaurant gönnen; besonders hart ist es für diejenigen, die in der Kultur-, Gastronomie- oder Tourismusbranche arbeiten.

Liefert die Konzert-Simulation mit Tim Bendzko neue Erkenntnisse?

Die medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg versucht, Lösungen dafür zu finden und stellten im August ein weltweit einmaliges Experiment auf die Beine: Gemeinsam mit Tim Bendzko und 1600 Teilnehmern und Teilnehmerinnen simulierten sie ein Konzert in der Arena Leipzig!

Das Konzert fand in drei Etappen statt: Einmal ohne jegliche Regeln oder Mundschutz, dann mit Hygienekonzept und zum Schluss mit weniger Gästen. Zeitgleich wurden von den Forschenden der Medizinischen Fakultät verschiedene Faktoren gemessen: Was haben die Teilnehmenden berührt, welche Wege haben sie genommen und wieviel Abstand eingehalten? Wie verteilten sich die Aerosole in der Halle?

Die Ergebnisse: Gute Belüftungstechnik, Essen am Platz, mehrere Eingänge

Zwei Monate hat es gedauert, um alle Daten auszuwerten, aber die Ergebnisse machen Mut. Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch Veranstaltungen in einer Halle möglich!

Die Ergebnisse decken sich mit unseren Thesen insoweit, als dass wir vermutet haben, dass die Kontakte, die bei einer Veranstaltung erfolgen, nicht alle Teilnehmenden umfassen. Deshalb könnten Veranstaltungen unter bestimmten Bedingungen auch in der Pandemie-Situation stattfinden.

Studienleiter Dr. Stefan Moritz | Universitätsmedizin Halle

Anhand der Erkenntnisse konnten die Forschenden folgende Empfehlungen ableiten:

  • Veranstaltungshäuser benötigen Belüftungstechnik, die eine gute Belüftung und einen regelmäßigen Raumluftaustausch mit frischer Luft ermöglicht.
  • So lange die Pandemie anhält, müssen Hygiene-Konzepte weiterhin angewendet werden: Maskenpflicht in der Halle; Hygiene-Stewards zur Einhaltung der Standards.
  • Der Bestuhlungsplan und somit die Gästezahl sollten an die Inzidenz angepasst werden.
  • Als Zugang zu den Veranstaltungsorten sollten mehrere Eingänge vorhanden sein, um Besucherströme zu lenken.
  • Wartezonen sollten ins Freie verlagert werden.
  • Während der Veranstaltung sollte an den Sitzplätzen gegessen werden, um Gedränge und lange Kontakte an Imbiss-Ständen zu vermeiden.

Diese Studie wurde vom Ministerium Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt in Auftrag gegeben und soll Erkenntnisse zur Eindämmung der Pandemie liefern. Diese liegen nun vor - jetzt ist es Zeit, für Bund und Länder zu handeln.