Die Ehe ist für alle da!

Ein Kommentar von SPUTNIKerin Andrea:

Regenbogen-Fahne
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Da tanzt die eine seit Jahren vor Deiner Nase rum – aber sie ist nicht wirklich da. Ab in die dritte Reihe in deinem Gehirn hinter Reifenwechsel und Abgabe der Hausarbeit, die ist halt da - nie wichtig und schön genug und so wirklich hat ihre An- oder Abwesenheit nie etwas mit dir gemacht. Und plötzlich sagt ein Kumpel:

Das muss jeder selbst wissen, ob er sie haben will.

Und innerhalb einer Woche ist sie plötzlich Montag das WICHTIGSTE auf der ganzen Welt für dich – die eine – und ihr brennt Freitag durch und gebt Euch in Vegas das Ja-Wort!

Auf einmal ging alles ganz schnell

Im Grunde beschreibt das für eine Menge Abgeordneten, was da gerade mit der Ehe für alle passiert ist. Mehrere Jahrhunderte hat die exklusive Ehe zwischen Mann und Frau jetzt schon auf dem Buckel. Zu lange, wenn Ihr mich fragt.

Ja. Auch weil die Menschheit genug Zeit hatte sich zu überlegen, wie witzig es wäre das Brautpaar mit einer Nagelschere ein Herz aus einem Bettlaken schneiden zu lassen. Aber auch, weil die Welt – wir – uns weiterentwickelt haben. Nein – eigentlich sind wir die Gleichen. Aber bei dem, was in unserem Leben – also unserer Gesellschaft - alles möglich ist, normal ist, schön ist.

Es war ein langer Weg

2001 gabs bei uns die "Ehe light" - die eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle. Aber mal ehrlich: Mit Ruhm bekleckert haben wir uns in Deutschland nicht, als sich die Gleichbehandlung bei grundlegenden Dingen wie dem Erb- und Steuerrecht meist „erklagt“ wurde. Und eines blieb immer: Die fehlende Freiheit, Kinder im gleichen Maße zu adoptieren.

Trotzdem haben es eine Menge Paare genutzt. Es für sich selbst und im Herzen einfach zur Hochzeit erklärt – auch wenn es nur eine „Amtliche Besiegelung“ war. Ein Wort, was so romantisch ist wie die Sache mit der Nagelschere. Aber ich schweife ab.

Noch ist das Ding nicht durch

Fakt ist: Alle, die das getan haben, sind seit heute – oder eben mit dem Inkrafttreten des Gesetzes in wahrscheinlich drei Monaten – nicht automatisch verheiratet. Sie können es sich aber umwandeln lassen. Wenn sie es sich auf dem Standesamt gegenseitig persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, dass sie künftig eine Ehe auf Lebenszeit führen möchten.

Bis es aber so weit ist, wollen wohl einige konservative Politiker vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Sie argumentieren: Mit der vom Grundgesetz besonders geschützten Ehe sei schließlich nur eine Verbindung zwischen Mann und Frau gemeint.

Liebe Konservative von welcher Partei auch immer:

Euer Hauptargument ist ja häufig, dass aus einer Ehe Kinder hervorgehen – eine Familie entsteht. Ja. Genau deswegen und wegen des damit verbundenen Adoptivrechts war es Homosexuellen ja unter anderem jahrelang so wichtig!

Macht bitte die Augen auf! Und das Herz gleich mit: Denn Familie ist 2017 ein Kind, kein Kind, zwei Frauen, Mann und Frau, eine Frau alleine und 3 Kinder und einfach alles, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen – aus Liebe.

Punkt.

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIK Tagesupdate | 30.06.17 | 18:20 Uhr