SPUTNIK Popkult Künstler:innen vs. Spotify? Darum kritisieren Musikschaffende die Streaming-Plattform

Die Pandemie hat viele Bereiche getroffen, so auch die Musikbranche. Für gewöhnlich gibt es ja Festivals, Live-Konzerte, Merch-Stände und und und. Durch den Lockdown fiel das ja alles zu größten Teilen aus. Dafür wurde so viel Musik gestreamt wie noch nie zuvor. Klingt eigentlich ziemlich gut oder? Ganz so super ist das aber gerade für kleinere und unbekanntere Künstler:innen nicht.

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Die Pandemie hat auch die Musikbranche getroffen. Durch den Lockdown fielen Konzerte, Festivals und Co aus. Dafür wurde so viel Musik gestreamt wie noch nie zuvor. Klingt eigentlich ziemlich gut oder? Nicht unbedingt.

MDR SPUTNIK Fr 25.06.2021 16:16Uhr 02:50 min

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Streaming-Dienste und Künstler - die haben so ihre Probleme miteinander, besonders aus finanzieller Sicht. Schon seit längerem werden aus den Reihen der Musikerinnen und Musiker Proteste für eine fairere Bezahlung laut. SPUTNIKerin Sieke ist mal in die Weiten des Streamings eingetaucht.

Was ist aktuell das Problem der Künstler:innen? Warum werden jetzt die Proteste laut?

Die Problematik, dass Künstlerinnen und Künstler mehr Geld pro Stream fordern ist ja nicht neu. Pro Stream zahlt Spotify beispielsweise zwischen 0,0025 und 0,0042 Euro. Das sind weniger als ein Cent. Wenn man das hochrechnet müsste ein Musiker, um sich eine Tasse Kaffee kaufen zu können etwa 790 Streams generieren. Und gerade das ist bei unbekannteren Künstlerinnen und Künstlern, die eine geringe Reichweite haben sehr problematisch. Die Hamburger Indiepop-Gruppe Scotch and Water kennt die Situation.

Einer von ihnen ist der Musikproduzent Dennis Bajer und der sagt zur Spotify-Problematik:

Spotify ist für Musiker:innen keine Einnahmequelle. Man muss Spotify verstehen als reine PR Plattform. Booker oder Venues gucken, wie viele Klicks du hast. Es ist eigentlich nur n Barometer dafür, wie hyped du gerade bist oder nicht. Aber Geld wird verdient inzwischen in der Musik mit Liveauftritten.

Dennis Bajer

Und genau das ist aktuell der Konflikt. Durch die Pandemie mussten Plattenläden schließen, Konzerte wurden abgesagt und Clubs wurden geschlossen. Dadurch sind den Künstler:innen eben die wichtigsten Einnahmequellen (Konzert- und Festivaltickets) weggebrochen. In den aktuellen Protesten der amerikanischen Musikergewerkschaft werden mindestens ein Cent pro Stream und mehr Transparenz bei den Verträgen gefordert.

Was passiert mit dem Geld, dass die Streamingdienste durch Abos und Werbung verdienen? Gerade wenn jetzt immer mehr Leute Musik streamen muss doch auch mehr Geld zur Verfügung stehen, oder?

Eigentlich wäre das die logische Konsequenz, ja. Aber Spotify bezahlt die Künstlerinnen und Künstler nach dem pro-rata-Prinzip. Bei dem werden die gesamten Einnahmen quasi in einen Topf geworfen und dann nach dem Marktanteil des Musikers verteilt. Hier als Beispiel: wie nehmen an, dass Taylor Swift eine Milliarde Streams im Monat generiert, das sind dann drei Prozent aller Streams bei Spotify. Das würde bedeuten, dass drei Prozent aus dem Einnahmentopf für Kunstschaffende an Taylor Swift gehen. Also kann es sein, dass wir mit unserem monatlichen Abo gegebenenfalls auch Künstler bezahlen, die wir gar nicht hören und kleinere Musiker mit prozentual weniger Streams haben von diesem Prinzip eigentlich nichts.

Was ist mit anderen Optionen der Bezahlung bei Streamingdienste? Ist das denn realistisch für die Zukunft?

Prinzipiell ja. Es gibt die nutzerbasierte Bezahlmethode, bei der das Geld wirklich nur nach Nutzungsgewohnheiten abgerechnet wird.

Ein Beispiel dafür hat Dennis Bajer:

Was ich halt sehr interessant finde: Soundcloud hat das gerade umgestellt, dass man nicht einfach schlichtweg nach Play-Anzahl bezahlt wird, sondern das wirklich gemonitored wird, welcher Song wird abgespielt von deinem Account. Das wird dann verteilt.

Dennis Bajer

Die Bezahlung wäre mit dieser Methode auf jeden Fall individueller und weniger anteilig. Wann und wie sich ein nutzerorientiertes System durchsetzen kann ist aber größtenteils von den Labels und Musikverlagen abhängig. Und es müssen sich eben alle Marktteilnehmer einig sein, was aktuell noch nicht der Fall ist.

Also ist wohl die sicherste Variante: „support your local artists“ mit Konzertkarten, Merch und CD-Käufen.

Das Thema im SPUTNIK Programm: SPUTNIK Popkult | 27.06.21 | 14:00 Uhr