SPUTNIK Black Beatz vom 12.01.2018: N.E.R.D.

"This isn't music": N.E.R.D.

"Die ersten zwei Drittel meiner Karriere habe ich mir überhaupt keine Sorgen gemacht. Mir ging es bis dato hauptsächlich um die Ästhetik oder ums Angeben," so der gute Pharrell in der New York Times. Das hat sich nun geändert. Mit dem kurz vor Weihnachten gedropten Albumfünftling seines Side-Projektes N.E.R.D., entakronymisiert nach dem Band-Namen "No-One Really Dies" betitelt. Dieses wird von oben zitierter Premuim-Postille mit all seinem Skeptizismus und seiner Empörung bereits als scharfes Trump-Ära-Protest-Album kategorisiert. Zumindest in Teilen.

Neptunes Trademark

Anfang der Nuller-Jahre erschien mit Pharrell Williams und Chad Hugo ein Produzentenduo aus dem eher beschaulichen Viginia Beach auf der Bildfläche, das mit ihrem Neptunes-Sound saisonübergreifend zum Goldstandard avancieren sollte. Mit halben Ohr bei den ortsansässigen Timbaland und Missy Elliot perfektionierten der listige Pharrell und der scheue Chad ihren Trademark-Beat derart unverwechselbar, dass 2003 die Hälfte der Hitparade mit Neptunes-Tracks belegt war. Neben der hauseigenen Truppe The Clipse seien nur Justin Timberlake, Busta Rhymes, Jay-Z, Nelly, Kelis oder Britney Spears (!) erwähnt.

Bis zum Nichts

Aber schon zu dieser Zeit gönnten sich die beiden zusammen mit Schulkumpel Shay Haley eine ganz eigene Spielwiese für Kreativität, freakige Fusionen und nerdigen Musikgeschmack. Und gründeten N.E.R.D.. Unter diesem Label malträtierten sie Rockgitarren, griffen auf konventionelles Schlagwerk zurück und bescherten der Welt einige spacige Knaller wie "Lapdance" oder "She Wants To Move". Bis zum 2010er Werk "Nothing": "Ich meine, guck auf den fucking Titel. Das war die Zeit, als wir uns selbst verloren." Rückblickend fügt Pharrell im Guardian an: "Manchmal braucht man solch eine Zeit. Wenn du fällst, geht es nicht nur um das wie oder wie lange, sondern es geht auch um einen wahren Blick auf dich selbst."

Nicht geradlinig

Dieser mündete zunächst als Chauvi-Womanizer mit Robin Thickes "Blurred Lines", als Gute Laune-Onkel in "Happy"-Dauerschleife und letzendlich in der Erkenntnis: "Als ich mir eines Tages meine Sachen ansah, sagte ich mir 'Yo, ich will niemals mehr geradlinige Songs machen." Besser beherzigen als beim N.E.R.D.-Frischling könnte es der Dad von Drillingen wohl kaum. Mehr von Gang of Four, Allen Vega oder frühen Electro-Sounds beeinflusst, bieten die drei Nerds ein Gewitter an Breaks, schrägen Einfällen und gnadenlos hämmernden Loops. "Du weißt niemals so recht, was als nächstes passiert. Ich will, das du geschockt und aufgekratzt bist". Langeweile klingt jedenfalls anders.

Die Message

Ein Ed Sheeran auf einem walzendem Off-Beat-Schlenzer, eine überraschend frisch rappende Rihanna auf der Hitsingle "Lemon", dazu Gucci Mane, Wale und Future oder der Bruder im Geiste Andre 3000. Für Mr. Williams zum Kernstück auserkoren ist allerdings die Kendrick Lamar-Kollabo "Don't Don't Do It", welche den Tod von Keith Scott thematisiert, der 2016 in North Carolina von der Polizei erschossen wurde."Da haben wir auf der einen Seite diesen Verrückten, der durch das ganze Land ballert, andererseits eine Polizei, die unbescholtene Bürger abknallt... Ich packte diese Geschichte in ein so freudestrahlendes Gewand, dass du die Message gar nicht verpassen kannst."

Bleibt die letzte Message vom Protagonisten selbst, die sich auf das Album bezieht: "This isn't music, it's a movement." Und der Black Beatz Act der Woche. N.E.R.D.- No_One Really Dies.           

SPUTNIK Black Beatz vom 12.01.2018 | Stunde 1
Titel Interpret
Right Now Philthy Rich feat. SOB X Ribe & Ziggy
Street Livin The Black Eyed Peas
Rollinem 7's N.E.R.D. feat. Andre 3000
Gucci Gang Lil Pump
Post & Delete Zoey Dollaz feat. Chris Brown
Oh I The Game feat. Jeremih,Young Thug & Sevyn
Party All Night Kreuz
Juicy Booty Chris Brown feat. Jhene Aiko & R. Kelly
Lightning Fire Magic Prayer N.E.R.D.
Risin' To The Top Keni Burke
Love U Better Ty Dolla Sign feat. Lil Wayne & The Dream
Pick It Up Famous Dex feat. Asap Rocky
Man's Not Hot Big Shaq
Motorsport Migos feat. Nicki Minaj & Cardi B
Can We SWV feat. Missy Elliot
Lifting You N.E.R.D. feat. Ed Sheeran
Plain Jane RMX ASAP Ferg feat. Nicki Minaj
SPUTNIK Black Beatz vom 12.01.2018 | Stunde 2
Titel Interpret
Filfthy Justin Timberlake
Ric Flair Drip 21 Savage, Offset & Metro Boomin
Whatever You On London On Da Track feat. Young Thug, Ty Dollar Sign, Jeremih & YG
Don't Don't Do It! N.E.R.D. feat. Kendrick Lamar
Gummo 6ix9ine
Patek Water Future & Young Thug feat. Offset
Wokeuplikethis Playboi Carti feat. Lil Uzi Vert
Lemon N.E.R.D. feat. Rihanna
Your Style ( My Style) Troy Ave feat. Lloyd Banks
Marvin (Theme Music) Fabolous & Jadakiss feat. Swizz Beatz
I Believe In Miracles Jackson Sisters
My Lover Not3s
Voila N.E.R.D. feat. Gucci Mane & Wale
River Eminem feat. Ed Sheeran
No Limit RMX G-Eazy feat. Asap Rocky, French Montana, Juicy J & Belly
Break Ya Neck Busta Rhymes
Krippy Kush Farruko feat. Bad Bunny, Rvssian, Nicki Minaj & 21 Savage